In Kornwestheim, einer Stadt, die für ihre geschichtsträchtigen Wurzeln bekannt ist, wird ab dem 27. Februar 2026 eine Doppelausstellung über den KZ-Komplex Natzweiler im Grundbuchzentralarchiv eröffnet. Sie wird bis zum 13. April 2026 zu sehen sein. Diese Ausstellung thematisiert nicht nur die Geschichte des Konzentrationslagers, sondern auch die Erfahrungen der Häftlinge, die dort unter unmenschlichen Bedingungen leiden mussten. Der KZ Natzweiler, der im Mai 1941 im Elsass im Auftrag von Albert Speer errichtet wurde, war für den Abbau von rotem Granit in den nördlichen Vogesen zuständig und entwickelte sich zu einem weitreichenden Komplex mit 70 Außenlagern in Elsass, Moselgebiet und Baden-Württemberg.

Besonders beunruhigend ist die Tatsache, dass am 1. September 1944 das Lager geräumt wurde und die meisten Häftlinge nach Dachau transportiert wurden. Dennoch blieben die Außenlager bis April 1945 in Betrieb, in denen politische Häftlinge, Kriegsgefangene, Juden, Sinti, Roma, Zeugen Jehovas und Homosexuelle festgehalten wurden. Die Ausstellung wird Exponate präsentieren, die aus baden-württembergischen Außenlagern stammen und während der Arbeiten an KZ-Standorten geborgen wurden. Damit soll ein Bewusstsein für die Themen Gewalt, Überwachung, Vernichtung durch Arbeit und Mangelernährung geschaffen werden.

Der KZ-Komplex Natzweiler

Der KZ-Komplex Natzweiler bestand nicht nur aus dem Hauptlager im Elsass, sondern auch aus mindestens 50 Außenlagern. Das Hauptlager wurde am 1. Mai 1941 eröffnet, und die Außenlager entstanden ab dem Winter 1942/43, wobei die Zahl der Außenlager 1944 stark anstieg. Insgesamt durchliefen etwa 52.000 Häftlinge aus über 30 Nationen das Hauptlager und/oder die Außenlager. Interessanterweise betraten etwa ein Drittel der Häftlinge das Hauptlager, während zwei Drittel ausschließlich in den Außenlagern inhaftiert waren. In den NS-Dokumenten wird das Konzentrationslager als „Natzweiler“ bezeichnet, während es in Frankreich unter dem Namen „Le Struthof“ bekannt ist. In der Literatur findet man häufig den Doppelnamen „Natzweiler-Struthof“.

Die Rolle der KZ-Außenlager

Die KZ-Außenlager spielten eine entscheidende Rolle im System der nationalsozialistischen Zwangsarbeit. Über 1.000 KZ-Außenlager und -Außenkommandos wurden seit 1943 eingerichtet, in denen Häftlinge Zwangsarbeit für SS, staatliche und private Betriebe leisten mussten. Diese Außenlager waren nicht nur Orte der Inhaftierung, sondern auch der Ausbeutung, indem sie für die Rüstungsproduktion und andere kriegswichtige Arbeiten eingesetzt wurden. Die Häftlinge waren politischen Gegnern, Juden, Sinti, Roma, Zeugen Jehovas, sowie „Asozialen“ und „Kriminellen“ oftmals schutzlos ausgeliefert.

Die kommende Ausstellung in Kornwestheim bietet eine wertvolle Gelegenheit, sich mit dieser dunklen Kapitel der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. Die Verantwortlichen der KZs, insbesondere die SS und die Inspektion der Konzentrationslager, sowie Unternehmen wie IG Farben und Siemens, trugen maßgeblich zur Ausbeutung der Häftlinge bei. Es ist unerlässlich, dass wir die Erfahrungen der Betroffenen nicht vergessen und die Lehren der Vergangenheit in unsere heutige Gesellschaft integrieren.

Für weitere Informationen zum KZ-Komplex Natzweiler und zur Doppelausstellung können Sie die Artikel auf Stuttgarter Nachrichten und natzweiler.eu besuchen. Die Ausstellung im Grundbuchzentralarchiv Kornwestheim wird sicherlich ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung dieser schwierigen Vergangenheit sein.