Im Oktober 1951 trafen sich eine illustre Runde von Schriftstellern im Welzheimer Wald, um an der Tagung der Gruppe 47 teilzunehmen. Diese Zusammenkunft, die vom 18. bis 20. Oktober in der Laufenmühle stattfand, war geprägt von chaotischen Erlebnissen und hitzigen Diskussionen. Hans Werner Richter, Initiator und spiritus rector der Gruppe, berichtete über die Herausforderungen, die das Treffen in der damals maroden Laufenmühle mit sich brachte. Umgeben von dichtem Wald und feuchtem Klima war die Laufenmühle nicht nur ein Ort der literarischen Auseinandersetzung, sondern auch ein Heim für geistig behinderte Kinder, was das Interesse der Literaten weckte. Philipp Einhäuser, der heute Vorstandsvorsitzender der Christopherus Lebensgemeinschaft ist, erforscht die Geschichte dieses besonderen Ortes.
Die Gruppe 47, gegründet 1947 von Hans Werner Richter und Alfred Andersch, hatte das Ziel, die deutsche Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg zu revitalisieren. Die Teilnehmer, viele von ihnen Überlebende des Krieges, kamen aus unterschiedlichsten Hintergründen und waren sich einig, dass die neue deutsche Literatur eine Erneuerung benötigte. Feste Rituale prägten die Treffen: Autoren lasen aus ihren Manuskripten, gefolgt von sofortiger Kritik. Diese Rückmeldungen waren oft hart, da der Vortragende sich nicht verteidigen durfte, was zu einem spannenden, aber auch herausfordernden Klima führte. Walter Jens und Günter Eich waren ebenfalls prominente Stimmen dieser Runde; Eich betonte sogar die Notwendigkeit, auch gegen den Leser zu schreiben.
Die Entwicklung der Gruppe 47
Die Gruppe 47 verstand sich nicht als formelle Institution, sondern als Freundeskreis, der ein bis zwei Mal jährlich zusammenkam. Diese Treffen fanden an wechselnden Orten statt, und die erste Tagung fand auf dem Gut der Ottonie Gräfin Degenfeld in Altenbeuern statt. Die Treffen boten nicht nur eine Plattform zur Erneuerung der deutschen Literatur, sondern entwickelten sich auch zu einem Forum für literarische und politische Diskussionen. Die Gruppe 47 erlebte verschiedene Phasen: von der Konstitutionsperiode (1947–49) über die Aufstiegsperiode (1950–57) bis zur Hochperiode (1958–63) und schließlich dem Zerfall (1964–67). Diese dynamische Entwicklung machte die Gruppe zu einer bedeutenden literarischen Institution, die auch international Einfluss hatte.
Kritiker wie Thomas Mann und Günter Blöcker äußerten sich negativ über die Gruppe 47, warfen ihr vor, Exilautoren ausgeschlossen und die Erinnerungspolitik vernachlässigt zu haben. Dennoch wurde der Preis der Gruppe 47, der seit 1950 an bedeutende Schriftsteller vergeben wurde, für viele Preisträger der Beginn ihrer literarischen Karriere. Zu den ausgezeichneten Autoren zählen auch zwei spätere Nobelpreisträger. Die letzte reguläre Tagung fand 1967 statt, als politisierte Studenten die Zusammenkunft störten, was zur Auflösung der Gruppe führte. Auch wenn die Gruppe 47 sich nie formell auflöste, wurde ihre Bedeutung in der deutschen Literaturgeschichte als entscheidende Zäsur angesehen.
Einfluss und Vermächtnis
Die Gruppe 47 hinterließ nicht nur literarische Spuren, sondern war auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland. Nach der Studentenrevolte und den politischen Umwälzungen der 1960er Jahre wurden interne Konflikte sichtbar, die schließlich zur Auflösung führten. Ehemalige Teilnehmer blieben jedoch auch nach 1967 richtungsweisend für die deutschsprachige Literatur. Günter Grass verarbeitete den Geist der Gruppe in seiner fiktiven Erzählung „Das Treffen in Telgte“, wodurch die Bedeutung der Gruppe weiterhin in der Literatur lebendig bleibt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Gruppe 47 eine wichtige Rolle bei der Erneuerung der deutschen Literatur spielte und bis heute als „politische Legende“ gilt. Ihre Diskussionen und der Anspruch, eine demokratische Nachkriegsdeutschland aufzubauen, sind nach wie vor von großer Relevanz. Die literarische Landschaft, die die Gruppe prägte, hat Generationen von Schriftstellern inspiriert und wird auch in Zukunft ein interessantes Feld für die Forschung darstellen.
Für detaillierte Informationen über die Gruppe 47 und ihre Geschichte empfehlen wir, den Artikel in der Stuttgarter Zeitung zu lesen sowie die Beiträge im Historischen Lexikon Bayerns und auf Wikipedia.