In Waiblingen, einer Stadt in der Nähe von Stuttgart, steht eine bedeutende Veränderung bevor: Bosch plant die Schließung des dortigen Werks bis spätestens Ende 2028. Diese Entscheidung betrifft rund 560 Mitarbeitende, die in der Produktion von Verbindungsteilen für Verbrenner und Elektroautos tätig sind. In den letzten Jahren hat die Automobilsparte in Waiblingen an Produktion verloren, was letztlich zu dieser drastischen Maßnahme führte. Die Belieferung mit bisherigen Produkten soll künftig aus China und Thailand erfolgen, wo die Herstellkosten günstiger sind. Der Grund für die Schließung ist die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Produkte am Standort, wie Bosch-Vorstand Jan-Oliver Röhrl erklärt.
Ein Interessenausgleich und ein Sozialplan wurden bereits unterzeichnet, um den betroffenen Mitarbeitenden Unterstützung anzubieten. Bis zu 220 Mitarbeitenden sollen Arbeitsplätze an anderen Standorten angeboten werden. Zudem umfasst das Maßnahmenpaket Qualifizierungsmaßnahmen, Unterstützung bei der Vermittlung sowie Angebote für Altersteilzeit, Vorruhestand und freiwillige Abfindungen. Der Betriebsrat kündigte jedoch harten Widerstand gegen die Personalabbaupläne an und kritisierte das Management für falsche Investitionsentscheidungen. Die Gewerkschaft IG Metall äußert sich ebenfalls kritisch und fordert Zusagen zur Sicherung der Standorte in Deutschland.
Wirtschaftliche Auswirkungen auf Waiblingen
Die Schließung des Bosch-Werks wird nicht nur die betroffenen Mitarbeitenden treffen, sondern auch weitreichende wirtschaftliche Folgen für die Stadt Waiblingen haben. Oberbürgermeister Sebastian Wolf hat Besorgnis über die möglichen Auswirkungen geäußert, da die Schließung zu einem Rückgang der Gewerbesteuer und der Kaufkraft führen könnte. In der deutschen Autoindustrie sind in einem Jahr fast sieben Prozent der Arbeitsplätze verloren gegangen, und Experten warnen vor einem möglichen Verlust von bis zu einer halben Million Arbeitsplätzen in den nächsten fünf Jahren.
Die Schließung des Waiblinger Werks ist Teil einer größeren Strategie von Bosch, die bis 2030 den Abbau von insgesamt 22.000 Stellen in der Mobilitätssparte in Deutschland vorsieht. Dies betrifft vor allem Standorte wie Stuttgart-Feuerbach, Schwieberdingen und Bühl/Bühlertal. Bosch hat bereits in der Vergangenheit über 10.000 Stellen im Automobilbereich abgebaut, und die jährlichen Kosten im Geschäftsbereich sollen um 2,5 Milliarden Euro gesenkt werden. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die steigenden Kosten, wie gestiegene Zölle und Rückstellungen für Strukturanpassungen, zu bewältigen.
Der Weg nach vorn
Die Zukunft des Waiblinger Werks bleibt ungewiss, doch der Betriebsrat plant, bis 2028 für den Erhalt des Werks zu kämpfen. Die Entscheidung zur Schließung wurde Anfang Oktober 2025 getroffen und ist Teil einer umfassenden Umstrukturierung innerhalb des Unternehmens. Bosch verfolgt eine Strategie 2030, die Innovationen, Zukäufe und den Ausbau softwaregetriebener Mobilität umfasst. Die Herausforderungen, vor denen Bosch steht, spiegeln sich in den schwachen Ergebnissen der letzten Jahre wider. So sank der Umsatz der Zuliefersparte im vergangenen Jahr um 0,7 % auf 55,8 Milliarden Euro.
Insgesamt ist die Situation für die Mitarbeitenden in Waiblingen und die gesamte Automobilbranche angespannt. Die Schließung des Werks ist ein weiteres Zeichen für die tiefgreifenden Veränderungen, die die Branche durchläuft. Für die betroffenen Mitarbeitenden bleibt zu hoffen, dass die angebotenen Maßnahmen und der Widerstand des Betriebsrats dazu beitragen, die negativen Folgen dieser Entwicklung abzumildern. Weitere Informationen zu den Hintergründen und den Maßnahmen finden Sie in den Artikeln von fr.de und zdf.de.