Die Schließung von zwei „Bertie Goods“-Filialen in Stuttgart hat am 27. Januar 2026 für Aufsehen gesorgt. In einem Automatengeschäft im Stuttgarter Westen sowie einem weiteren im Heusteigviertel ist der Betrieb eingestellt worden. Nach knapp vier Jahren musste das Start-up Smark Robotics diese Entscheidung treffen, da die finanziellen Mittel aufgebraucht sind. Ein Insolvenzverfahren, das vor drei Jahren gegen das Unternehmen eingeleitet wurde, war aufgrund von Masseunzulänglichkeit ausgesetzt worden. Das bedeutet, es gibt nicht genügend Insolvenzmasse, um die anfallenden Kosten, wie Ladenmiete und Gehälter, zu decken. Laut Stuttgarter Nachrichten hat der Smark-Chef Philipp Hoening jedoch betont, dass das Unternehmen nicht wirtschaftlich pleite sei, und dass eine komplette Schließung nicht ausgeschlossen werden kann.

Die beiden Shops waren während der Corona-Pandemie besonders erfolgreich, da sie kontaktloses Einkaufen ermöglichten. Kunden konnten über ein Touch-Display Lebensmittel auswählen, die von einem Roboterarm aus Kühlfächern geholt wurden. Smark wurde von Philipp Hoening und Maximilian Ehret gegründet und hatte die Vision, regionale Produkte von Landwirten und Metzgern in den Mittelpunkt zu rücken. Bei einer Finanzierungsrunde im Jahr 2020 investierten Geldgeber über drei Millionen Euro in das innovative Konzept. Ursprünglich startete das erste Geschäft unter dem Namen „Roberta Goods“, bevor es in „Bertie Goods“ umbenannt wurde, nachdem Streitigkeiten über Namensrechte auftraten.

Auswirkungen auf die Filialen

Die Zukunft der weiteren Standorte ist dabei noch unklar. Der Laden im Stuttgarter Süden ist derzeit unter Renovierung und soll bald mit neuer Robotik und einem überarbeiteten Ladenbau wiedereröffnen. Im Gegensatz dazu bleibt der Store im Heusteigviertel vorerst geschlossen. Die Schließungen von „Bertie Goods“ sind Teil eines größeren Trends: Im Jahr 2024 meldeten in Deutschland 21.812 Unternehmen Insolvenz an, was einem Anstieg um 22,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht, wie die Statistiken des IfM Bonn zeigen.

Die steigenden Insolvenzzahlen sind auf verschiedene Krisen zurückzuführen. Unternehmensinsolvenzen sind mittlerweile eine häufigere Form von Unternehmensschließungen, auch wenn sie weiterhin eine seltene Erscheinung darstellen. Insgesamt wurden 2024 rund 270.000 gewerbliche Unternehmen sowie geschätzt 90.000 freiberufliche Tätigkeiten eingestellt. Wenn alle Insolvenzen zu einer Unternehmensliquidation führen würden, würde dies bedeuten, dass etwa 6 % aller Unternehmensschließungen auf Insolvenzanträge zurückzuführen sind.

Diese Entwicklungen machen deutlich, wie herausfordernd die wirtschaftliche Situation für viele Unternehmen ist. Die „Bertie Goods“-Filialen sind ein Beispiel für die Schwierigkeiten, die Start-ups in einem volatilem Marktumfeld herausfordern. Die potenzielle Wiedereröffnung und Renovierung der verbliebenen Läden könnte ein Lichtblick sein, aber die Unsicherheiten bleiben groß.