In Plochingen, einer Stadt bekannt für das Hundertwasser-Wohnhaus und den historischen Marktplatz, hat sich ein ganz besonderer Ort etabliert: die BDSM-Manufaktur unter der Leitung von Madame Lisa. Diese studierte Pädagogin hat vor 12 Jahren ihre eigene Manufaktur gegründet und bietet dort ein umfassendes Bildungsangebot im Bereich BDSM an. Der Standort, recht unauffällig in einem Keller am Rande des Stadtzentrums gelegen und erreichbar über eine Außentreppe und einen schmiedeeisernen Torbogen, zieht Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten an.
Madame Lisa, die zuvor als Krankenschwester und Sozialpädagogin tätig war, betont, dass BDSM nicht mit Brutalität gleichzusetzen ist. Ihre Manufaktur ist ein Ort des Respekts und der Aufklärung, wo gängige Klischees, wie sie etwa in „50 Shades of Grey“ dargestellt werden, hinterfragt und widerlegt werden. In diesem Sinne wird auch ein unsichtbares Regelwerk der Etikette gepflegt, das sicherstellt, dass Hass, Respektlosigkeit und Sexismus keinen Platz haben.
Ein umfassendes Bildungsangebot
Die BDSM-Manufaktur bietet Unterricht in Technik, Ethik und Dominanz im BDSM-Kontext. Die Kurse decken ein breites Spektrum ab: von Basiswissen über Bondage, Dominanz, Unterwerfung, Sadismus und Masochismus bis hin zu fortgeschrittenen Techniken wie Langzeiterziehung und Atemkontrollspielen. Auch persönliche Coachings zur Beziehungsarbeit in BDSM-Partnerschaften werden angeboten. Madame Lisa und ihr Team lehnen Online-Kurse ab, da sie der Meinung sind, dass praktisches Lernen und direkter Austausch unverzichtbar sind.
Die Schülerschaft reicht von 18 bis 83 Jahren und ist sowohl für Paare als auch für Einzelpersonen und Neugierige offen. Die Teilnehmenden lernen nicht nur die praktischen Aspekte, sondern auch Anatomie, Knotenkunde und die Psychologie der Unterwerfung. Dominanz wird in den Kursen als Verantwortung und nicht als Willkür definiert, was einen respektvollen Umgang miteinander fördert.
Wissenschaftliche Perspektiven auf BDSM
Die Wahrnehmung von BDSM hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Diverse internationale und deutschsprachige Studien zeigen, dass BDSM-Praktizierende oft bessere psychologische Funktionen aufweisen und keine höheren Raten psychischer Störungen haben. Eine Untersuchung von Connolly (2006) belegt, dass BDSM-Praktizierende häufig besser funktionieren als Nicht-Praktizierende. Weitere Studien, wie die von Wismeijer und van Assen (2013), zeigen, dass BDSM-Praktizierende weniger Neurotizismus und eine höhere Offenheit für Erfahrungen aufweisen, was zu einem höheren Wohlbefinden führt.
Auch die Forschung von Linnemann-Geiger (2023) belegt, dass intensivere Integration in BDSM-Beziehungen zu höherer Zufriedenheit führt. Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, Vorurteile über BDSM, die oft mit Schmerz und Brutalität assoziiert werden, zu entkräften. Madame Lisa und ihre Manufaktur spielen eine wichtige Rolle in dieser Aufklärungsarbeit, indem sie ein respektvolles und sicheres Umfeld schaffen, in dem Menschen offen über ihre Wünsche und Bedürfnisse sprechen können.
Insgesamt zeigt die Arbeit von Madame Lisa in ihrer BDSM-Manufaktur nicht nur, wie vielseitig und respektvoll BDSM gelebt werden kann, sondern auch, wie wichtig eine fundierte Aufklärung über dieses oft missverstandene Thema ist. Hier wird ein Raum geschaffen, in dem Neugierige, Praktizierende und Interessierte gleichermaßen willkommen sind, um die vielfältigen Facetten von BDSM zu erkunden und zu verstehen. Für weitere Informationen über die Manufaktur und die angebotenen Kurse besuchen Sie bitte die Esslinger Zeitung oder die Stuttgarter Zeitung.