Bad Cannstatt ist bekannt für seine traditionsreiche Fasnet, und eine Familie steht seit 100 Jahren im Zentrum dieser Feierlichkeiten: die Familie Kauderer. Steffen Kauderer, der seit 50 Jahren beim Kübelesmarkt aktiv ist und seit 25 Jahren als Oberkübler fungiert, hat in dieser Zeit über 30 Rathausstürme als Kübler miterlebt. Die Wurzeln der Familie reichen bis zur Gründung des Kübelesmarkts zurück, bei der Steffen Kauderers Großvater, Hans Kauderer, eine wichtige Rolle spielte. Seine Mutter, Vera Kauderer, hat die „Waschweiber“ und die „Mondlöscher“ ins Leben gerufen, während sein Vater, Robert Kauderer, viele Jahre als Oberkübler tätig war und den Cannstatter Volksfestverein gründete. Robert Kauderer organisierte 1992 das Große Narrentreffen, das mehr als 10.000 Teilnehmer anzog und erhielt 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande, heute ist er Ehrenoberkübler.

Der Kübelesmarkt hat mittlerweile über 600 Mitglieder und erfreut sich eines stabilen Nachwuchses. Steffen Kauderers Sohn, Joa Kauderer, plant, sich im Mai für den Küblerrat aufstellen zu lassen und somit die Familientradition fortzuführen. Trotz aller Freude über die Tradition äußert Steffen Kauderer Bedenken hinsichtlich der steigenden Sicherheitsanforderungen, die die Fasnet betreffen. Ein Höhepunkt seiner Amtszeit war die Organisation des europäischen Narrenfests 2020, an dem über 20.000 Narren in Bad Cannstatt teilnahmen. Eine Jubiläumsausstellung zum 100-jährigen Bestehen des Kübelesmarkts ist bis zum 11. Januar 2026 im Stadtmuseum Bad Cannstatt zu sehen, und sie gibt einen tiefen Einblick in die Geschichte dieser lebendigen Tradition.

Fasnet und Gemeinschaft

Die Fasnet in Bad Cannstatt wird nicht nur von der Familie Kauderer geprägt, sondern auch von einer starken Gemeinschaft aus Fasnetsfreunden und Ehrenmitgliedern. Jüngst fand ein Treffen der Cannstatter Honoratioren im Festsaal der Kelter der Weingärtner Bad Cannstatt statt, bei dem Oberkübler Steffen Kauderer und sein Stellvertreter Christian List die über 100 anwesenden Gäste begrüßten. Unter den Gästen waren auch Erster Bürgermeister Michael Föll und Bernd-Marcel Löffler. Föll überreichte einen Scheck über 50.000 Euro für das Narrentreffen 2020, vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats.

Das Treffen markierte den Beginn der Fasnetszeit in Bad Cannstatt und wurde mit viel Unterhaltung durch die „Waschweiber“, das Tanzgarde „Mondlöscherballett“ und die „D’Scheureburzler“ zu einem feierlichen Ereignis. Die Ankündigung weiterer Aktivitäten wie den Rathaussturm und das Kübelesrennen am Donnerstag sorgte für Vorfreude unter den Teilnehmern. Steffen Kauderer wurde an diesem Abend zudem als König „Kaudi I.“ gekrönt, mit dem Gelöbnis, weniger Rostbraten und Schorle zu konsumieren.

Traditionen und ihre Ursprünge

Die Fasnet ist Teil eines jahrhundertealten Brauchtums, das in Deutschland, insbesondere im schwäbisch-alemannischen Raum, gefeiert wird. Fastnacht bezeichnet Bräuche, die vor der 40-tägigen Fastenzeit stattfinden, die mit dem Aschermittwoch beginnt. Diese Bräuche sind reich an Umzügen, Liedern, Masken und Kostümen und sind nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern wie Brasilien und Venedig verbreitet.

Die Ursprünge des Fastnachtsbrauchtums werden im Mittelalter vermutet, als Narrenfeste um den Epiphaniastag stattfanden, bei denen kirchliche Rituale parodiert wurden. In dieser Tradition finden sich heute noch Elemente des sozialen Rollentauschs, die in verschiedenen Festen weltweit gefeiert werden. Die Bedeutung der Fasnet als kulturelles Erbe wird durch Veranstaltungen wie die des Kübelesmarkts in Bad Cannstatt eindrucksvoll unterstrichen.