Die Notfallseelsorge in Stuttgart feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Im Jahr 2001 wurde sie von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU), evangelischen Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich und katholischen Prälaten Bernhard Kah gegründet. Diese Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Feuerwehr hat sich als unverzichtbar erwiesen, um Menschen in Krisensituationen zu unterstützen. Andreas Groll leitet die Stuttgarter Notfallseelsorge und hat die Aufgabe, Menschen in Notsituationen nicht allein zu lassen.
Das Ziel der Notfallseelsorge ist es, in schwierigen Lebenslagen Beistand zu leisten und gleichzeitig die Resilienz der Menschen zu steigern. Doch das öffentliche Bewusstsein für die Notfallseelsorge ist gering, da viele Menschen sich scheuen, über den Tod zu sprechen. Trotz dieser Herausforderung empfinden die Mitarbeitenden eine große Dankbarkeit von denjenigen, die die Dienste in Anspruch nehmen. Zwei Drittel der Mitarbeitenden sind ehrenamtlich tätig, was zeigt, wie wichtig das Engagement in der Gemeinschaft ist.
Herausforderungen der Notfallseelsorge
Die Notfallseelsorge sieht sich jedoch auch Herausforderungen gegenüber. Die Rekrutierung neuer Notfallseelsorger gestaltet sich zunehmend schwierig. Um neue Ehrenamtliche zu gewinnen, erfolgt die Werbung über Kirchengemeinden und Ehrenamtsbörsen. In den letzten Jahren wurden 58 neue Notfallseelsorger ausgebildet. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und umfasst 340 Unterrichtseinheiten, in denen Praktika in Krankenhäusern und Seelsorge sowie Kurse zur ehrenamtlichen Seelsorge durchgeführt werden.
Die Ausbildung beinhaltet auch eine enge Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Nachsorgediensten. Ein Beispiel für den Erfolg der Notfallseelsorge ist die Unterstützung nach einem Suizid eines Mädchens an einer Schule, bei dem die Notfallseelsorge gemeinsam mit dem Kriseninterventionsteam der Schule tätig war. Die Elternschaft sammelte Geld für die Notfallseelsorge als Dank für die geleistete Arbeit.
Ausbildung und Anforderungen an Notfallseelsorger
Die Anforderungen an angehende Notfallseelsorger sind hoch. Sie müssen körperliche und psychische Stabilität mitbringen und durchlaufen vor der Fachausbildung ein Abklärungsgespräch mit dem Dekanatsbeauftragten, um die Möglichkeit der Mitarbeit zu prüfen. Wichtige Eigenschaften sind physische und psychische Belastbarkeit, Empathie und Resilienz. Nach einer positiven Einschätzung beginnt die Ausbildungsphase, die sich an bundeseinheitlichen Standards orientiert.
Nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung folgt eine Hospitationsphase, in der die Ehrenamtlichen zunehmend eigenverantwortlich arbeiten. Ein Abschlussgespräch nach ein bis zwei Jahren bestätigt den Abschluss der Ausbildung. Um das seelsorgliche und religiöse Handeln zu reflektieren, nehmen die Ehrenamtlichen an einem Aufbaukurs Seelsorge teil. Kontinuierliche Fortbildung und Gruppensupervision sind ebenfalls Teil des Programms, um den Austausch von Erfahrungen zu fördern und die eigene Gesundheit zu erhalten.
Kontext und Bedeutung der Notfallseelsorge
In Extremsituationen sind nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Einsatzkräfte oft Gefahren ausgesetzt und erleben Not, Leid und Tod. Die Einsatznachsorge spielt hier eine entscheidende Rolle, indem sie Unterstützung nach belastenden Einsätzen bietet. Diese Nachsorge hat das Ziel, Einsatzkräfte zu entlasten und den schnelleren Abbau von belastungsbedingten Reaktionen zu ermöglichen. Teams aus speziell geschulten Einsatzkräften setzen sich dafür ein, dass die psychische Gesundheit der Helfenden nicht vernachlässigt wird.
Die Ausbildung zur psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) erfolgt gemäß den Richtlinien der International Critical Incident Stress Foundation (ICISF). Sie umfasst mehrere Module, die die Einsatzkräfte auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereiten. Mit einem klaren Fokus auf die Gesundheit und Resilienz der Einsatzkräfte wird sichergestellt, dass diese auch in Zukunft in der Lage sind, anderen in Krisensituationen beizustehen.
Eine aktuelle Ausstellung zur Notfallseelsorge im Rathaus von Stuttgart ist bis zum 18. März zu sehen und bietet eine Gelegenheit, mehr über die wertvolle Arbeit der Notfallseelsorge und ihre Bedeutung für die Gemeinschaft zu erfahren. Für Interessierte, die sich engagieren möchten, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich an den Dekanatsbeauftragten für Notfallseelsorge zu wenden oder über ein Kontaktformular weitere Informationen zu erhalten.