Das Friedrichsbau Varieté in Stuttgart blickt auf eine stolze 125-jährige Geschichte zurück und hat sich als wichtiger Teil der kulturellen Landschaft etabliert. 1900 eröffnet, entwickelte sich das Theater rasch zu einem renommierten Varieté. Im Laufe der Jahre erlebte das Haus sowohl Glanz als auch schwierige Zeiten, insbesondere im Zweiten Weltkrieg, als das Gebäude 1944 vollständig zerstört wurde. Nach einer langen Pause fand das Varieté 1994 in der Rotunde der L-Bank eine neue Heimat, nachdem ein Neubau an historischer Stelle realisiert wurde. Diese Entwicklung wurde jedoch 2012 durch die Kündigung des Sponsorings von Seiten der L-Bank und die darauf folgende Schließung des Hauses erschwert. Schließlich zog das Varieté 2014 an einen neuen Standort am Pragsattel um und wurde als gemeinnütziges Unternehmen umstrukturiert. Diese Umwälzungen wurden wesentlich von Timo Steinhauer, der seit 2004 im Haus tätig und seit 2014 Geschäftsführer ist, vorangetrieben.

Steinhauer beschreibt die Verbundenheit der Mitarbeitenden mit dem Friedrichsbau und deren Engagement, die traditionsreiche Geschichte des Varietés fortzuschreiben. „Die 125-jährige Tradition zu bewahren“, so betont er, sei ein wesentlicher Antrieb für das gesamte Team. Im Jahr 2019 feierte das Varieté sein 25-jähriges Jubiläum nach der Wiedereröffnung, was Steinhauer dazu brachte, intensiv in die Geschichte des Friedrichsbau einzutauchen. Leider gingen dabei viele wichtige Dokumente aus den Anfangsjahren im Zweiten Weltkrieg verloren.

Herausforderungen und Erfolge

Mit über 90 Prozent Eigenfinanzierungsquote zeigt das Friedrichsbau Varieté eine beeindruckende wirtschaftliche Stabilität. Jedoch erkennt Steinhauer die Herausforderungen des kreativen Spagats zwischen Tradition und Innovation, um das Varieté auch in Zukunft attraktiv zu halten. Die Programmgestaltung soll ein breites Publikum ansprechen; so wurde die Show „Legendary Elvis“ 2025 als modernes Beispiel für die angestrebte Verbindung von Tradition und zeitgemäßen Inhalten genannt. Des Weiteren engagiert sich das Varieté intensiv in der Jugend- und Nachwuchsförderung, etwa durch das Youngster-Ticket, das jungen Menschen unter 27 Jahren den Zugang erleichtert.

Eine Feier zu besonderen Anlässen ist ebenfalls Teil der Geschichte des Varietés: Martin Zell, Timo Steinhauer und Ralph Sun präsentierten kürzlich Sondermarken der BWPost zum 30. Geburtstag des Friedrichsbau Varietés. Dieser Geburtstag unterstreicht die wechselvolle Geschichte des Varietés, das nach der Zerstörung des ursprünglichen Standorts in der Friedrichstraße mehrfach umziehen musste, unter anderem in den Killesberg und den Schlossgarten, bevor es 1994 an seinen jetzigen Standort zog.

Blick in die Zukunft

Steinhauer äußert den Wunsch nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern in der Kulturpolitik, um auch weiterhin ein stabiles Fundament für das Friedrichsbau zu schaffen. Trotz schwieriger Zeiten hofft er, dass die Menschen in der Region weiterhin Lust auf Theaterbesuche haben werden. Die Herausforderung, ein Publikum aus verschiedenen Generationen und Hintergründen zusammenzubringen, bleibt ein zentrales Anliegen des Varietés – eine Herausforderung, die für die Fortführung einer über 125-jährigen Tradition essenziell ist. Die kulturelle Bedeutung von Theatern wie dem Friedrichsbau ist nicht nur als Freizeitangebot zu sehen. Sie spielen eine wichtige Rolle in der politischen und sozialen Landschaft, ähnlich wie in der Vergangenheit die Theater im Barock oder während der Aufklärung, wie die Geschichtsforschung zeigt. Theater sind Orte des Austauschs und der Reflexion und können Brücken zwischen verschiedenen Gesellschaftsgruppen schlagen.