In Winterbach hat sich in der Gesundheitsversorgung ein spannender Wandel vollzogen. Sina Aigeldinger-Jordon und Martin Antonio Schäufele führen seit 2023 gemeinsam eine Hausarztpraxis am Bahnhofsplatz 1. Diese Entscheidung markiert nicht nur einen neuen Anfang für die beiden Mediziner, sondern reflektiert auch den fortschreitenden gesellschaftlichen Wandel im Berufsfeld der Hausärzte. Die Praxis plant, bis Ende 2029 in das neue Winterbacher Ärztehaus umzuziehen, ein Schritt, der auf die veränderte Arbeitswelt der Mediziner reagiert. In der Vergangenheit waren Hausärzte überwiegend Einzelkämpfer und häufig männlich. Heute hingegen sind viele Frauen im Beruf aktiv und arbeiten in Teams, was die Dynamik und die Arbeitsweise in den Praxen erheblich verändert hat. Zudem werden in Winterbach bald 500 neue Einwohner erwartet, was die Notwendigkeit einer gut strukturierten Gesundheitsversorgung weiter verstärkt. Quelle
Der Wandel der Hausarztpraxen
Historisch betrachtet waren Hausärzte in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren die ersten Ansprechpartner für Patienten von der Geburt bis zum Tod. In dieser Zeit hatten sie jedoch mit einem schlechten Image unter einigen Fachärzten zu kämpfen, die ihre Interessen oft auf Kosten der Praktiker durchsetzten. Der Berufsverband der Praktischen Ärzte und Ärzte für Allgemeinmedizin Deutschland (BPA), der im Dezember 1960 gegründet wurde, war ein wichtiger Schritt in Richtung einer besseren Vertretung der Hausärzte. Heutzutage hat sich das Berufsbild grundlegend verändert: Die Zahl der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte hat sich seit 1993 verdreifacht, und im Jahr 2018 gab es bereits 28.668 niedergelassene Hausärzte sowie 9.023 Gemeinschaftspraxen und 3.173 Medizinische Versorgungszentren (MVZ). Quelle
Mit dem Anstieg der Zahl weiblicher Mediziner, die von 31,5% im Jahr 1995 auf 46,8% im Jahr 2017 stieg, hat sich auch die Teamarbeit in den Praxen etabliert. Die Medizinischen Fachangestellten (MFA) werden seit über zehn Jahren zu Versorgungsassistenzen in der Hausarztpraxis (VERAH®) fortgebildet, was die Effizienz und die Versorgungsqualität weiter erhöht. Die Digitalisierung hat ebenfalls Einzug gehalten: Die Einführung von EDV-gestützten Praxisorganisationen in den 1980er-Jahren legte den Grundstein für die aktuellen digitalen Anwendungen, die heute in der Gesundheitsversorgung eine zentrale Rolle spielen.
Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung
Die Digitalisierung verändert zunehmend das ärztliche Handeln und zwingt zur Überprüfung bestehender Prozesse und Abläufe. Neue digitale Anwendungen wie E-Rezepte, elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und elektronische Patientenakten sind mittlerweile in der täglichen Praxis angekommen. Die Bundesärztekammer spielt eine aktive Rolle bei der Entwicklung und Integration dieser digitalen Lösungen, mit dem Ziel, die Ärzte zu unterstützen und bürokratische Hürden abzubauen. Ein Ausschuss unter Leitung von PD Dr. Bobbert und Erik Bodendieck fördert den Erfahrungsaustausch in diesem Bereich und zeigt, dass die Digitalisierung ein zentrales Thema in der Gesundheitsversorgung bleibt. Quelle
Insgesamt zeigt sich, dass die Hausarztpraxis in Winterbach, wie auch in ganz Deutschland, einem grundlegenden Wandel unterzogen wird. Die Herausforderungen und Chancen, die mit diesem Wandel einhergehen, werden die zukünftige Entwicklung der Gesundheitsversorgung entscheidend prägen.