Die Jugendlichen aus Winnenden im Rems-Murr-Kreis setzen sich intensiv mit dem Thema Notfallvorsorge auseinander. In einer von Lehrer Florian Hambach geleiteten AG, die als Pilotprojekt der Malteser fungiert, lernen Schüler zwischen der 8. und 12. Klasse, wie sie sich im Krisenfall am besten vorbereiten können. Dieses Engagement wird durch einen aktuellen Anlass motiviert: Der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz, der im vergangenen Jahr 100.000 Menschen ohne Strom und Heizung zurückließ, hat die Diskussion über Krisenvorsorge in Deutschland neu entfacht. Viele der Teilnehmer haben außerdem persönliche Erfahrungen mit Krisen, wie dem dramatischen Hochwasser im Jahr 2024 in ihrer Region gemacht.
In der AG lernen die Schüler, was in einen Notfallrucksack gehört und wie man einen Notvorrat anlegt. Bei einem praktischen Ausflug in einen Supermarkt kauften sie haltbare Lebensmittel für eine vierköpfige Familie. Dazu gehörten unter anderem 10 Packungen Fertigsuppen, 12 Kilogramm Konservendosen und 8 Liter Milch. „Es ist wichtig, dass Schüler verstehen, wie sie im Ernstfall handeln können“, erläutert Hambach. Zudem thematisiert die AG auch Freizeitbeschäftigungen ohne digitale Medien, wie Kartenspiele, um die soziale Interaktion untereinander zu fördern.
Krisenvorsorge in Schulen
Die Initiative zur Krisenvorsorge in Schulen wird auch von der Politik unterstützt. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) plädiert dafür, dass ältere Schüler in einer Doppelstunde über Bedrohungsszenarien diskutieren und diese Themen intensiver behandelt werden. In Baden-Württemberg wurde bereits seit dem Schuljahr 2023/2024 ein verpflichtender Aktionstag für sechste Klassen zur Krisenvorsorge eingeführt. Lehrer Hambach hebt hervor, dass es notwendig ist, das Thema über das gesamte Schuljahr hinweg zu behandeln, um das Bewusstsein dafür zu schärfen.
Deutschland gilt trotz seiner Sicherheit als eines der stabilsten Länder der Welt, dennoch wird die Bedeutung der Krisenvorsorge immer mehr erkannt. Der Anstieg extremer Wetterereignisse und Angriffe auf kritische Infrastrukturen durch Cyberattacken und Desinformation stellen aktuelle Herausforderungen dar. Deren Bewältigung erfordert nicht nur das Wissen, was im Notfall zu tun ist, sondern auch das ruhige und besonnene Handeln in kritischen Situationen. Diese Maßnahmen müssen auch in Schulen integriert werden, wie der Hamburger Bildungsplan zeigt. Dort werden Ziele und Inhalte für den Katastrophenschutz im Unterricht skizziert.
Die regelmäßige Durchführung von Übungen, wie Brandschutz- und Evakuierungsübungen, sowie die Einbindung von externen Partnern für Erste Hilfe sind essentielle Bestandteile eines umfassenden Katastrophenschutzkonzepts in Schulen. Diese präventiven Maßnahmen zielen darauf ab, Schülerinnen und Schüler auf zukünftige Krisensituationen vorzubereiten und deren Handlungsfähigkeit zu stärken.
Vorbereitung auf den Bundesweiten Warntag
Ein weiterer Schritt in Richtung Krisenvorsorge ist der geplante bundesweite Warntag, der am 10. September 2026 stattfinden wird. Hierbei werden Probealarme zur Überprüfung der Warninfrastruktur durchgeführt. Die Thematisierung dieses Tages im Unterricht ist besonders für geflüchtete Schülerinnen und Schüler von Bedeutung, da sie so besser auf mögliche Krisensituationen vorbereitet werden. Der Warntag soll helfen, das Wissen um Notfallmaßnahmen zu fördern und die Bevölkerung auf mögliche Gefahren sensibilisieren. Diese präventiven Schritte sind entscheidend, um nicht nur das individuelle aber auch das kollektive Sicherheitsgefühl zu stärken.
Für die Schüler in Winnenden ist die AG nicht nur eine Möglichkeit, sich praktisch auf Notfälle vorzubereiten, sondern auch eine wichtige Erfahrungsstätte, um Resilienz und soziale Verantwortung zu entwickeln. Denn die Herausforderungen des digitalen Zeitalters fordern mehr denn je ein Umdenken in der Krisenvorsorge und der eigenen Handlungsfähigkeit.