In Weinstadt regt sich Widerstand unter Eltern gegen den zunehmenden Gruppenzwang, der ihre Kinder dazu verleitet, ein eigenes Smartphone zu verlangen. Dies geht aus Berichten von mehreren Eltern hervor, die sich für einen verantwortungsvollen und sicheren Umgang mit digitalen Geräten einsetzen. Insbesondere im Grundschulalter können Kinder bereits souverän mit Smartphones umgehen, was gleichzeitig den Druck auf die Eltern erhöht, ihren Kindern ein eigenes Gerät anzuschaffen. Dies führt häufig zu innerfamiliären Konflikten, wenn die Wünsche der Kinder auf die Bedenken der Eltern treffen. [ZVW] berichtet, dass viele Kinder in ihrem Freundeskreis bereits mit Smartphones ausgestattet sind, was den Gruppendruck verstärkt.

In diesem Kontext veröffentlichte der Kinderschutzbund ein neues Haltungspapier anlässlich des Safer Internet Day. Darin kommt der Verband zu dem Ergebnis, dass Kinder frühestens ab einem Alter von zehn Jahren ein eigenes Smartphone erhalten sollten. Entscheidende Faktoren hierfür sind die individuelle Entwicklung des Kindes und dessen Wohl. Joachim Türk, Vizepräsident des Kinderschutzbundes, unterstreicht die Wichtigkeit der elterlichen Begleitung und die Notwendigkeit, Jugendschutzeinstellungen zu aktivieren. Der Kinderschutzbund warnt, dass Kinder nicht zu früh allein mit der digitalen Welt gelassen werden sollten und empfiehlt verschiedene Schutzmaßnahmen, um die digitale Sicherheit der Kinder zu erhöhen.

Empfehlungen für den Umgang mit Smartphones

  • Bis zum dritten Lebensjahr möglichst bildschirmfrei aufwachsen.
  • Vor der Grundschule kein eigenes Smartphone.
  • Erst ab zehn Jahren ein eigenes Smartphone mit aktiver elterlicher Begleitung und Jugendschutzeinstellungen.
  • Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Eltern.

Der Kinderschutzbund stellt zudem fest, dass ein generelles Smartphone-Verbot für Kinder nicht zielführend ist. Die Verantwortung liege beim Anbieter, die sichere Nutzung von Smartphones durch klare Altersgrenzen und sichere Voreinstellungen zu unterstützen.

Zusätzlich wird zunehmend auf die negativen Auswirkungen der Smartphone-Nutzung durch Eltern auf die Entwicklung ihrer Kinder hingewiesen. Eine Studie der University of Wollongong zeigt, dass Kinder von häufig am Handy aktiven Eltern schlechtere kognitive Fähigkeiten und soziale Interaktionen aufweisen. Der Begriff „Technoferenz“ beschreibt die Störung von Kommunikation und Interaktion durch digitale Geräte, was besonders bei kleineren Kindern von Bedeutung ist. Die Forschenden analysierten Daten aus 21 Studien und fanden heraus, dass sich die Nutzung von Smartphones durch Eltern negativ auf die Bindung zu ihren Kindern auswirkt. [Tagesschau] hebt hervor, dass über 70% der Eltern digitale Geräte während der Interaktion mit ihren Kindern nutzen und sich der negativen Folgen oft nicht bewusst sind.

Experten empfehlen Eltern, bewusster mit ihren Technikgewohnheiten umzugehen. Das Schaffen bildschirmfreier Zonen und Zeiten, etwa beim Essen oder beim Spielen, kann helfen, die Interaktion und Kommunikation innerhalb der Familie zu verbessern. Paula Bleckmann, Professorin für Medienpädagogik, mahnt zur Achtsamkeit mit der eigenen Handynutzung, um eine gesunde Balance zwischen den Bedürfnissen der Eltern und der Kinder zu finden.