Im Lötschental, im Kanton Wallis in der Schweiz, hat sich am Mittwoch ein massiver Gletscherabbruch ereignet, der tiefgreifende Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden hat. Der Gebirgsfluss Lonza hat sich neue Wege ins Tal gesucht, wobei das abgestürzte Eis-, Fels- und Geröllmaterial vorerst stabil geblieben ist. Eine gefürchtete Flutwelle oder Gerölllawine blieb bislang aus, jedoch bleibt die Gefahr von Instabilität und weiteren Abbrüchen weiterhin bestehen, wie zvw.de berichtet.
Die Gemeinden Gampel und Steg haben Maßnahmen ergriffen, um die Bevölkerung zu schützen. Bürger wurden aufgefordert, persönliche Vorbereitungen für mögliche Evakuierungen zu treffen. Über 2.000 Menschen leben in der Region, und bereits mussten 365 Personen ihre Wohnungen verlassen. Die Situation bleibt angespannt, da Experten warnen, dass Wasser und Geröll plötzlich abfließen könnten. In der Nähe des Stausees an der Lonza in Ferden wurde Wasser abgelassen, um größere Mengen aufzufangen, was jedoch die Stromproduktion beeinträchtigt, da das Wasser viele Sedimente enthält.
Gefahrensituation und Krisenmanagement
Das Lötschental ist zurzeit eine Gefahrenzone, nachdem das Dorf Blatten fast vollständig unter einem meterhohen Schuttkegel verschwunden ist. Rund 300 Einwohner wurden in Sicherheit gebracht, bevor die Schuttablagerungen die Region überwältigten. Messgeräte überwachen die Lage rund um die Uhr, und Baumaschinen sind im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf von Geröll und Schwemmholz durch das Bachbett der Lonza sicherzustellen. Die Gesamtheit der Schuttablagerungen wird auf zehn Millionen Kubikmeter geschätzt, was die Komplexität der Situation weiter erhöht, so die Presse.
Der Geologe Raphaël Mayoraz hat eine vorsichtige Entwarnung gegeben, indem er erklärt, dass sich Wasser langsam durch die Schuttmassen bewegt. Allerdings ist das Eingreifen mit Maschinen aufgrund der instabilen Situation, die seit zwei Wochen andauert, derzeit nicht möglich. Dennoch bleiben die Gemeinden auf der Hut und bereiten sich weiterhin auf eventuelle Evakuierungen vor, sollten sich die Umstände verschärfen.
Ein Jahrtausendereignis und Klimafolgen
Der Gletscherabbruch im Lötschental wird als Jahrtausendereignis angesehen, und Experten warnen, dass ähnliche oder sogar größere Ereignisse auch in anderen Alpenregionen in der Zukunft zu erwarten sind. Professor Michael Krautblatter beschreibt eine „absolute Häufung“ von Felsstürzen in den Alpen in den letzten Jahren, was auf die starke Erwärmung des Alpenraums durch den Klimawandel zurückzuführen ist. Diese Veränderung destabilisiert den Permafrost und führt zu einem schnelleren Abbruch von Gletschern und Felsen, so WDR.
Professor Jan Beutel von der Universität Innsbruck merkt an, dass es schwierig ist, ein einzelnes Ereignis direkt dem Klimawandel zuzuschreiben. Dennoch ist die aktuelle Situation im Lötschental ein besorgniserregendes Beispiel dafür, wie klimatische Veränderungen die Stabilität von Bergregionen beeinflussen können. Die Experten betonen, dass die Erderwärmung und der damit verbundene Gletscherschwund die natürliche Schutzfunktion der Berge gefährden und die Gefahr von Geröllabgängen erhöhen.
Die Entwicklungen im Lötschental werden weiterhin genau beobachtet, während die Gemeinden sich auf mögliche Folgen der Naturkatastrophe vorbereiten.