Im Ostalbkreis zeigt eine Analyse des SWR Data Lab erhebliche Lücken im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), insbesondere an Sonntagen. Viele ländliche Gebiete, darunter Stehtlen, Unterschneidheim und Rosenberg, haben sonntags lediglich ab 15 Uhr Busverbindungen. Im Gegensatz dazu bieten Aalen und Schwäbisch Gmünd bereits am Sonntagvormittag Busfahrten an. Ulrich Rau, Geschäftsführer des Omnibus-Verkehrs in Aalen (OVA), hebt hervor, dass die geringe Nachfrage im ländlichen Raum eine Herausforderung darstellt.

Um die Situation zu verbessern, setzt der Ostalbkreis auf das Konzept des „StadtLandBus“, welcher individuell angefordert werden kann. Dieses Angebot soll als flexiblere Lösung im ländlichen Raum dienen. Vor 2020 war die ÖPNV-Versorgung im Virngrund an Sonntagen praktisch nicht existent.

Finanzielle Hürden und Personalengpass

Obwohl perspektivische Verbesserungen im ÖPNV geplant sind, stehen diese oft vor finanziellen Hürden. Geplante Sonntagsfahrten ab 9 Uhr konnten aufgrund der angespannten Haushaltssituation des Ostalbkreises nicht umgesetzt werden. Die Verwaltung sieht den ÖPNV als „Freiwilligkeitsleistung“, die mit anderen wichtigen Bereichen wie Krankenhäusern und Schulen um budgetäre Mittel konkurrieren muss.

Zusätzliche Schwierigkeiten ergeben sich durch einen Mangel an Fahrpersonal, der den Ausbau des ÖPNV weiter behindert. Die Datenanalyse des SWR basiert auf Fahrplänen der „Durchgängigen Elektronischen Fahrgastinformation“ (DELFI), die für eine Woche ohne Ferien oder Feiertage im November durchgeführt wurde. Rufbusse und -taxis sind in dieser Analyse nicht enthalten, da sie nicht an feste Fahrpläne gebunden sind.

Der ÖPNV im Kontext

Die Herausforderungen für den öffentlichen Nahverkehr stehen im Kontext einer größeren Verkehrswende, die in Deutschland angestrebt wird. Diese zielt darauf ab, Bahnen und Busse im Nah- sowie Fernverkehr zu stärken und somit Emissionen zu reduzieren. Angesichts der verkehrsbedingten Unfallzahlen, die im Jahr 2024 bei circa 2.800 liegen, fordert eine Reduzierung des Pkw-Verkehrs zudem mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer.

Die Bundesregierung hat jedoch bis Ende Juni 2025 noch kein konkretes Ziel zur Steigerung der Fahrgastzahlen bis 2030 festgelegt. Im Jahr 2024 lag der Anteil des Schienenpersonenverkehrs am Gesamtverkehr bei nur etwa 10%, wobei pünktliche Verbindungen für viele Fahrgäste im Nahverkehr eine entscheidende Rolle spielen. Auch die Nutzung des Deutschlandtickets, das im Mai 2023 als Nachfolger des 9-Euro-Tickets eingeführt wurde, hat stark zugenommen: von 9 Millionen Nutzern im Mai 2023 auf über 13 Millionen im Februar 2025.

Insgesamt illustrieren die aktuellen Entwicklungen im Ostalbkreis die Schwierigkeiten, die der öffentliche Nahverkehr in ländlichen Regionen Deutschlands bewältigen muss, während die Bundesregierung gleichzeitig die Weichen für eine umweltfreundlichere Mobilität stellt. Die intermodale Integration und die Verbesserung bestehender Leistungen bleiben zentrale Herausforderungen.