Provokante Uraufführung in Heidelberg: Theaterdeckel gegen rechte Hetze!
Am 3. Oktober 2025 feierte das Stück "Propaganda" im Theater Heidelberg Premiere, das rechte Ideologien in sozialen Medien thematisiert.

Provokante Uraufführung in Heidelberg: Theaterdeckel gegen rechte Hetze!
Am 3. Oktober 2025 feierte das Stück „Propaganda“, verfasst von dem chilenisch-deutschen Autoren-Duo Juan Pablo Troncoso und Björn SC Deigner, seine Uraufführung am Theater Heidelberg. Inszeniert von Ana Luz Ormazábal, ist das Stück Teil des Iberoamerikanischen Festivals ¡Adelante! und behandelt die Verbreitung rechter Ideologien insbesondere über soziale Medien. In Anbetracht der aktuellen politischen Entwicklungen, in denen ein ultrarechter Präsidentschaftskandidat in Chile in Umfragen führt, erhält die Thematik zusätzliche Brisanz.
Die Regisseurin Ormazábal hebt die alarmierende weltweite Verschiebung demokratischer Länder nach extrem rechts hervor, die durch soziale Medien verstärkt wird. Laut nachtkritik.de ist das Stück so aufgebaut, dass es verschiedene Sprachen – darunter Spanisch, Englisch und Französisch – in Form von Gerüchte-Sequenzen und Videoprojektionen verwendet, um die Realität der Verbreitung von Desinformation zu verdeutlichen. Die darstellerische Umsetzung ist düster gestaltet, mit einem Bühnenbild von Maria Walter, das aus ineinander verschachtelten Quadern und Trapezen besteht.
Strukturen der Propaganda
Im Stück wird die Hauptfigur, Nicole Averkamp als Tradwife Ramona, in eine toxische Beziehung und letztendlich in eine völkische Filterblase gezogen. Unterstützt wird sie von Leon Maria Spiegelberg und Josefa Cavada, deren Handlungsstrang das Thema Incel behandelt. Diese Darstellung von sozialen Statusunterschieden und Armut spiegelt die spezifischen Herausforderungen wider, mit denen junge Menschen in der heutigen Gesellschaft konfrontiert sind.
Während der Inszenierung wird deutlich, dass das Stück an mahnendem Schrecken verliert, je weiter es sich von realen rechten Narrativen entfernt. Es ist ein schmerzhafter Spiegel der derzeitigen gesellschaftlichen Realität, die intensiv durch die strategische Nutzung von sozialen Medien geprägt wird.
Rechtsextremismus im digitalen Zeitalter
Parallel zu den Themen des Theaters spielt die digitale Welt eine entscheidende Rolle im Aufstieg rechtsextremistischer Ideologien. Laut bpb.de machen Propagandadelikte mittlerweile 62 % der rechtsextremistischen Straftaten in Deutschland aus, wobei insbesondere Jugendliche durch Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube angesprochen werden. Oft sind diese Inhalte clever an die Lebenswelt junger Nutzer angepasst und nutzen aktuelle Trends, um ihre Botschaft zu vermitteln. Emojis und subtile Codes helfen, diese Inhalte zu verschleiern und Verboten zu entkommen.
Die Zahlen sind alarmierend: Im Jahr 2022 waren 13 % der im Netz registrierten Jugendschutzverstöße dem politischen Extremismus zuzuordnen. TikTok, die drittbeliebteste App unter jungen Menschen, fungiert nicht nur als Unterhaltungsplattform, sondern auch als ein Ort, an dem rechtsextremistische Ideologien zirkulieren und sich verbreiten. Diese Entwicklung ist besonders besorgniserregend, da viele minderjährige Nutzer nicht nur mit extremen Ansichten konfrontiert werden, sondern sich auch auf einen steilen Radikalisierungspfad begeben.
Um dieser Problematik entgegenzuwirken, sind präventive Maßnahmen unerlässlich. Die Erkennung und Bekämpfung rechtsextremistischer Strategien im digitalen Raum wird zu einer der drängendsten Aufgaben unserer Zeit. Das Theaterstück „Propaganda“ thematisiert diese Herausforderungen und trägt zur dringend benötigten öffentlichen Diskussion über diesen gesellschaftlichen Missstand bei.