Immer mehr Frauen wagen den Schritt in die Bauindustrie, eine Domäne, die historisch von Männern dominiert wird. Weibliche Baugeräteführerinnen stehen nicht nur vor der Herausforderung, sich in einem von Klischees geprägten Umfeld zu behaupten, sondern auch die hohen Erwartungen ihrer männlichen Kollegen zu erfüllen. In Remshalden setzen Isabel Kleiß (20) und Enya Dold (22) ein Zeichen, indem sie ihre Ausbildung zur Baugeräteführerin am Bildungszentrum Bau in Geradstetten absolvieren. Trotz ihrer Seltenheit in diesem Berufsfeld erfahren sie häufig Erstaunen und Interesse, wenn sie über ihre Berufswahl berichten. Auch im Berufsfeld selbst zeigen sie sich unbeeindruckt von den bestehenden Vorurteilen und Klischees. Ihre Ausbildung umfasst den Umgang mit schweren Maschinen wie Baggern.
Eine andere junge Frau, Josephine Stephan (22), lebt in der Oberlausitz und arbeitet als Baugeräteführerin in Kiesdorf. Sie hat ihre Ausbildung bei der Zittauer Baufirma OSTEG vor zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen und bedient mittlerweile Bagger, Radlader und Dumper. Ihre Erfahrungen sind ebenfalls durchweg positiv: Obwohl sie als einzige Frau in ihrem Betrieb arbeitet, versteht sie sich gut mit ihren männlichen Kollegen und beschreibt den Job als abwechslungsreich und spannend, selbst bei herausfordernden Witterungsbedingungen.
Herausforderungen und Erfolge
Die Statistiken zeigen, dass Frauen im Bauwesen nach wie vor stark unterrepräsentiert sind. Laut Informationen aus dem Jahr 2023 betrug der Frauenanteil im Bauhauptgewerbe nur 1,9%, während insgesamt rund 14% der Beschäftigten im Baugewerbe weiblich waren. Dies macht den Einsatz von Isabel und Enya besonders bemerkenswert, da sie in einem Berufsfeld arbeiten, in dem nur wenige Frauen vertreten sind. Josephine, die in der Berufsschule als einzige Frau unter 70 männlichen Auszubildenden war, bestätigte, dass der Mangel an weiblichen Bewerbungen in der Branche eine Herausforderung darstellt. Ausbildungsleiter Tobias Jordan hebt die hervorragenden Leistungen von Josephine hervor und bemerkt, dass sie ihren männlichen Kollegen im ersten Lehrjahr „etwas vorgemacht“ hat.
Die Initiative „Frauen in der Baubranche“, die 2022 gegründet wurde, versucht, das Bewusstsein für die Berufschancen von Frauen in dieser Branche zu erhöhen. Mit über 380 Mitgliedern fordert sie Chancengleichheit und eine Unternehmenskultur, die Vielfalt fördert. Bereits jetzt zeigen über 80% der Mitglieder, dass ihre Arbeitgeber Chancengleichheit bieten, jedoch bleibt noch viel zu tun, um Geschlechterklischees abzubauen.
Der Weg in die technischen Berufe
Der Anteil an Frauen in technischen Berufen, einschließlich des Ingenieurwesens, ist nach wie vor gering. Aktuell sind nur etwa 27% der Ingenieure weiblich. Im Bauwesen liegt der Frauenanteil sogar nur bei 13%. Es gibt jedoch einen positiven Trend, dass immer mehr Frauen Interesse an technischen Berufen zeigen. Das VDI-Netzwerk „Frauen im Ingenieurberuf“ trägt aktiv dazu bei, die Sichtbarkeit von Frauen in Ingenieursberufen zu steigern und durch Mentoring-Programme Frauen eine Karriere in technischen Berufen zu ermöglichen.
Zusammenfassend zeigt sich, dass der Schritt von Frauen in die Baubranche sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance darstellt. Isabel, Enya und Josephine sind Beispiele für mutige junge Frauen, die Klischees hinter sich lassen und ihren Weg im Bauwesen gehen. Es bleibt zu hoffen, dass ihre Erfolge mehr Frauen inspirieren werden, ähnliche Schritte zu wagen.
Für weitere Informationen zu den Herausforderungen und Erfolgen von Frauen in der Baubranche besuchen Sie die Artikel auf ZVW, MDR und Ingenieur.