Der Konflikt in der Ukraine, der seit über vier Jahren andauert, hat nicht nur das Land selbst, sondern auch Europa vor neue Herausforderungen gestellt. Russland führt einen massiven Angriffskrieg, der durch einen zunehmenden Luftterror gegen die Zivilbevölkerung gekennzeichnet ist. Während in Europa, nur ein Nachbarland entfernt, Frieden herrscht, warnt Oleksandr Prokudin, der Gouverneur des Gebiets Cherson, dass Deutschland und Europa „überhaupt nicht“ auf mögliche Bedrohungen durch Russland vorbereitet sind. Diese Situation erfordert eine dringende Auseinandersetzung mit den Lehren, die aus der Ukraine gezogen werden können, um die Gesellschaft resilienter gegen Bedrohungen zu machen, sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich. Ukrainische Fachkräfte sollen in Kiel Polizisten und Zivilschützer unterweisen, was eine bemerkenswerte Umkehrung des früheren Bildes darstellt, als Deutschland Ukrainer ausbildete. Die ukrainischen Drohnenpiloten haben NATO-Soldaten bereits auf Mängel in der Vorbereitung auf das moderne Schlachtfeld hingewiesen.
Der Russisch-Ukrainische Krieg begann Ende Februar 2014 mit der Annexion der Krim durch Russland und eskalierte durch den Aufbau prorussischer Milizen im Donbass. Die Minsker Abkommen von 2014 und 2015 sollten einen Waffenstillstand in der Ostukraine sichern, führten jedoch nur zu einer Stabilisierung des Konflikts. Bis März 2015 gab es laut UNO rund 6.000 Tote, und bis September 2016 stieg die Zahl auf 9.640 Tote und 22.431 Verletzte. Der Konflikt hat nicht nur zu massiven Verlusten an Menschenleben geführt, sondern auch zu einer humanitären Krise mit Millionen von Flüchtlingen. Bis Mai 2022 flohen 5,4 Millionen Menschen aus der Ukraine, und im Juli 2023 gab es mehr als 5,6 Millionen Binnenflüchtlinge. Die internationale Gemeinschaft hat Russland für seine Aggression verurteilt und Sanktionen verhängt.
Die aktuelle Lage und die Rolle Deutschlands
Am 24. Februar 2022 begann ein groß angelegter Angriff auf die Ukraine mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen. Russische Truppen zogen sich zwar ab Ende März 2022 aus dem Norden der Ukraine zurück, konzentrierten sich jedoch auf den Osten, was zu massiven Angriffen auf ukrainische Städte und kritische Infrastruktur führte. Diese Angriffe, die Zivilisten und zivile Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser zum Ziel hatten, sind Teil einer breiten offensiven militärischen Aggression Russlands. Die OSZE hat die Situation in der Ukraine überwacht, jedoch gab es immer wieder Berichte über Verstöße gegen Waffenstillstände.
Die ukrainischen Streitkräfte zeigen eine hohe Kampfmoral, haben jedoch erhebliche Verluste erlitten. Bis Ende 2022 konnte die Ukraine etwa die Hälfte der von Russland besetzten Gebiete zurückgewinnen, während Russland 2024 einen neuen Vorstoß in der Charkiwer Region startete. Die geopolitischen Spannungen zwischen Russland, der Ukraine und dem Westen haben sich durch diesen Konflikt weiter verschärft, was auch die Rolle Deutschlands betrifft. Die Lehren, die aus den Erfahrungen in der Ukraine gezogen werden, sind nicht nur für die Militärs von Bedeutung, sondern auch für die zivile Gesellschaft, um sich besser gegen mögliche Bedrohungen zu wappnen.