Aktuelle Spannungen im Iran werfen ein Schatten auf die internationale Diplomatie. US-Präsident Donald Trump hat kürzlich verkündet, dass Iran womöglich Gespräche führen möchte. Es bleibt jedoch unklar, welche Themen auf der Agenda stehen und ob Trump bereit ist, darauf einzugehen. Insbesondere das iranische Atomprogramm und dessen Zustand nach den militärischen Auseinandersetzungen im letzten Jahr könnten im Fokus der möglichen Verhandlungen stehen. Während einer Reihe von israelischen Luftangriffen zwischen dem 13. und 24. Juni 2025 wurden zentrale Teile des iranischen Nuklearprogramms zerstört. Auch US-Luftschläge trugen zur Beschädigung der Anreicherungsanlage in Fordow bei, was die Frage aufwirft, wo sich das hochangereicherte Uran derzeit befindet, das Iran bis Juni 2024 produziert hatte, wie die FAZ berichtet.
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) meldete am 13. Juni 2025 Bestände von 9874,9 kg angereichertem Uran in Iran, davon 184,1 kg auf einem Anreicherungsgrad von 20% und 440,9 kg auf bis zu 60%. Angriffe auf zentrale iranische Standorte, darunter Fordow, Natans und Isfahan, könnten nicht nur die unmittelbare Infrastruktur gefährdet haben, sondern auch Fragen nach dem Verbleib des Uranvorrats aufwerfen. Die Zerstörung der Eingänge und Anlagen in diesen Regionen bedeutet offenbar nicht, dass die Lager im Inneren vollständig zerstört sind. Laut dem IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi gibt es Hinweise auf Bewegungen an den Nuklearstandorten, jedoch keine Bestätigung, dass Uranvorräte entfernt wurden.
Die schwierige Geschichte des iranischen Atomprogramms
Das iranische Atomprogramm hat eine komplexe Geschichte, die bis ins Jahr 1959 zurückreicht, als es ins Leben gerufen wurde, um die Energieversorgung des Landes durch Kernenergie zu ergänzen. Der Bau des Kernkraftwerks Buschehr wurde 2010 abgeschlossen und die kommerzielle Stromerzeugung begann 2011. Iran wird allerdings von vielen Ländern verdächtigt, auch Atomwaffen zu entwickeln, was weltweit Besorgnis auslöst. Bis in die späten 1970er Jahre betrieb Iran unter Schah Mohammad Reza Pahlavi ein Atomprogramm und hat in den letzten Jahren mehrfach die Urananreicherung auf bis zu 60% erhöht, was weit über die für zivile Anwendungen nötigen 20% hinausgeht. Die internationale Gemeinschaft, insbesondere die E3-Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien), üben seit Jahren Druck auf Teheran aus, um die Überwachung und Kontrolle des Atomprogramms sicherzustellen.
Als Reaktion auf militärische Eskalationen zwischen Iran, Israel und den USA unterzeichnete der iranische Präsident Massud Peseschkian am 2. Juli 2025 ein Gesetz, das die Zusammenarbeit mit der IAEO aussetzt. Diese Maßnahme könnte ernsthafte Konsequenzen haben, da zukünftige Kontrollen nun von der Genehmigung des iranischen Obersten Nationalen Sicherheitsrates abhängen. Diese Vorgehensweise widerspricht den Grundsätzen der IAEO, die eine sichere atomare Nutzung fördern soll. Auf diesen Konflikt reagierte die IAEO am 12. Juni 2025 mit einer Resolution, die Iran wegen Verstößen gegen Maßnahmen zur Nichtverbreitung von Atomwaffen rügt, und forderte Zugang zu militärischen Anlagen, was Iran jedoch verweigerte.
Ein ungewisser Ausblick
Die diplomatischen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm haben in den letzten Jahren stark gelitten. Der faktische Ausstieg Irans aus der Zusammenarbeit mit der IAEO bedeutet einen Verlust des direkten Einblicks in das iranische Atomprogramm. Während die IAEA am 4. Juli 2025 ihre letzten Inspektoren abgezogen hat, bleibt die Frage, ob Iran tatsächlich den Atomwaffensperrvertrag kündigen wird, weiterhin offen. Iran hat betont, das Atomprogramm diene friedlichen Zwecken, doch die internationale Gemeinschaft zeigt sich skeptisch. Zudem hat Iran mehrfach mit einem Austritt aus dem Nichtverbreitungsvertrag gedroht, was die Spannungen weiter steigen lässt, so die bpb.
Das iranische Atomprogramm bleibt ein sensibles und komplexes Thema, dessen zukünftigen Entwicklungen weiterhin ungewiss sind. Mit einem drohenden Wettrüsten in der Region und anhaltenden militärischen Spannungen könnte die Situation sein, dass Verhandlungen über eine Lösung noch weit entfernt sind.