Die beobachtete Cannabisschwemme in Europa wird zunehmend als Folge der Legalisierung in bestimmten US-Bundesstaaten und Kanada angesehen. In fast der Hälfte der US-Bundesstaaten ist der Gebrauch und Handel mit Cannabis legal. Diese Entwicklung wird als ein Fortschritt betrachtet, auch wenn nicht jeder diese Meinung teilt. Präsident Donald Trump war zwar nicht an der Spitze der Liberalisierungsbewegung, hat sich jedoch nicht dagegen ausgesprochen. Im Dezember hat er ein Dekret erlassen, das Cannabis von einer besonders gefährlichen Droge in eine weniger restriktive Kategorie einstuft, eine Entscheidung, die zuvor von Joe Biden aus rechtlichen Bedenken nicht umgesetzt wurde. Dies hat unter anderem zur florierenden Cannabisindustrie in den USA beigetragen, die durch Überproduktion und sinkende Preise geprägt ist, wodurch der illegale Export nach Europa begünstigt wird. Trump wird aufgrund dieser Umstände als Drahtzieher des Drogenschmuggels bezeichnet, was jedoch als fraglich gilt, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.

Ein wachsendes Problem für die europäischen Behörden zeigt sich in den zahlreichen Beschlagnahmungen von Cannabisprodukten. Am Flughafen Köln/Bonn wurden laut der Europäischen Drogenbehörde EUDA im vergangenen Jahr über zehn Tonnen Cannabis aus den USA und Kanada sichergestellt, was einer zehnmal höheren Menge im Vergleich zu 2022 entspricht. Auch in anderen EU-Ländern wie den Niederlanden und Belgien stiegen die beschlagnahmten Mengen signifikant an. Fachleute führen diese alarmierende Entwicklung hauptsächlich auf die Preisunterschiede zwischen Nordamerika und Europa zurück. Günstigere Produktionskosten in Nordamerika machen den illegalen Import von Cannabis für Kriminelle lukrativ, berichtet der Deutschlandfunk.

Legalisierung und Drogenpolitik in Deutschland

In Deutschland trat am 1. April 2024 das Cannabiskonsumgesetz in Kraft, das den Konsum und Besitz kleinerer Mengen Cannabis entkriminalisierte. Dieser Schritt gehört zu einem liberaleren Ansatz in der Drogenpolitik, der den Schwarzmarkt bekämpfen soll, der durch die vorherige Cannabisprohibition gefördert wurde. Diese Strategie orientiert sich an ähnlichen Ansätzen, die bereits in Ländern wie Portugal, den Niederlanden, Kanada, Uruguay und den USA praktiziert werden. Seit der Erlaubnis der Verschreibung von medizinischem Cannabis im März 2017 zeigt der Markt jedoch langsamer wachsende Umsätze, als es viele erwartet hatten. Der Umsatz mit cannabinoidhaltigen Arzneimitteln hat sich seit 2018 mehr als verdreifacht. Experten schätzen, dass die Legalisierung zu Genusszwecken einen Milliardenmarkt in den kommenden Jahren schaffen könnte, berichtet Statista.

Aktuell gibt es schätzungsweise rund 4,5 Millionen Cannabis-Konsumenten in Deutschland, was bedeutet, dass fast jeder dritte Erwachsene mindestens einmal Cannabis konsumiert hat. Bei jungen Erwachsenen liegt der Anteil sogar bei nahezu 50 Prozent. Laut der Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ist der Konsum unter jungen Erwachsenen leicht gestiegen, während der regelmäßige Konsum insgesamt geringe Veränderungen zeigt. Die rechtlichen Rahmenbedingungen haben das Konsumverhalten in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen beeinflusst, wo der größte Anteil der Konsumenten zu finden ist.

Insgesamt zeigt sich, dass die Legalisierungsbewegung in Nordamerika nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen hat, sondern auch Einfluss auf die europäische Drogenpolitik und das Konsumverhalten in Deutschland nimmt. Die Entwicklungen in den USA und die Reaktionen darauf zwingen europäische Länder, ihre eigenen Strategien und Gesetze zu überdenken, um mithalten zu können.