Das Kölner Dreigestirn hat sich entschieden, in dieser Karnevalssaison den Kölner Erzbischof Rainer Woelki nicht zu besuchen. Laut dem Sprecher des Festkomitees Michael Kramp ist der traditionelle Besuch im erzbischöflichen Haus, der zuletzt 2020 stattfand, aufgrund der vergangenen Spannungen und der aktuellen Verhältnisse nicht mehr üblich. Seit der Corona-Pandemie und der Übernahme der Amtsgeschäfte durch den Apostolischen Administrator wurden die Besuche nicht wieder aufgenommen.

Stattdessen wird das Dreigestirn den katholischen Stadtdechanten Robert Kleine und den evangelischen Stadtsuperintendenten Bernhard Seiger besuchen. Diese beiden kirchlichen Vertreter sind traditionell an der Gestaltung des Domgottesdienstes für Karnevalisten beteiligt und ebenfalls Gäste bei der Proklamation des Kölner Dreigestirns. Stadtdechant Kleine ist nicht nur ein respektierter Geistlicher, sondern auch als beliebter Karnevalist bekannt.

Spannung zwischen Festkomitee und Woelki

Das angesprochene Verhältnis zwischen dem Festkomitee des Kölner Karnevals und Kardinal Woelki bleibt angespannt. Dieser Bruch war erstmalig im Januar 2022 sichtbar geworden, als Woelki keine Einladung zur Prinzenproklamation erhielt. Ausschlaggebend waren unter anderem öffentliche Kritiken an seinem Umgang mit dem Missbrauchsskandal in der Kirche. Seitdem gab es keine formelle Einladung mehr für den Erzbischof zu weiteren Karnevalsveranstaltungen, was ein deutliches Zeichen der Entfremdung darstellt.

Außerdem übte das Festkomitee 2023 offene Kritik an Woelki, insbesondere nach dessen Abmahnung eines Pfarrers, der gleichgeschlechtliche Paare gesegnet hatte. FK-Präsident Christoph Kuckelkorn betonte, dass der Karneval einen Platz für alle Menschen biete, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Auf diesen Vorfall reagierte Woelkis Amtsleiter im Jahr 2025, indem er den Kölner Karneval beschuldigte, mit einem Mottowagen im Rosenmontagszug Jesus Christus verunglimpft zu haben.

Ein kulturelles Erbe

Trotz der Spannungen bleibt der Kölner Karneval ein kultureller und sozialer Anker für viele Bürger der Stadt. Das Festkomitee plant, Maßnahmen zu ergreifen, die den Karneval als verbindendes Ereignis in Köln stärken sollen. Christoph Kuckelkorn hebt hervor, dass der Karneval ein Spiegelbild einer bunten und toleranten Gesellschaft ist.

Die diesjährigen Gottesdienste für Karnevalisten im Kölner Dom werden durch Stadtdechant Kleine und Stadtsuperintendent Seiger geleitet, jedoch weiterhin nicht von Woelki. Die fehlende feste Einladungspraxis für Besuche des Dreigestirns bei kirchlichen Vertretern unterstreicht die fortdauernde Kluft.
Für weitere Details und einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation hat Express berichtet, während regionalupdate und Kölner Stadt-Anzeiger zusätzliche Einblicke in die Verhältnisse zwischen der Kirche und dem Karneval liefern.