In Deutschland wird der Wohnraummangel zunehmend als drängendes Problem wahrgenommen. Das Baugewerbe kämpft nicht nur mit einem chronischen Fachkräftemangel, sondern hat auch mit sinkenden Baugenehmigungen zu kämpfen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Technologie des 3D-Betondrucks an Bedeutung und könnte einen Paradigmenwechsel im Bausektor einläuten. Laut ZDF heute werden in Heidelberg bereits Mehrfamilienhäuser mithilfe dieser innovativen Technik errichtet.

Der Einsatz von 3D-Druckern im Bauwesen reduziert die Bauzeit erheblich. So dauert der Bau eines Wohnhauses nur 12 Monate von der Baugenehmigung bis zum Einzug, während traditionelle Methoden oft doppelt so lang benötigen. Hans-Jörg Kraus, Geschäftsführer von Kraus Immobilien, betont, dass die Geschwindigkeit des 3D-Betondrucks bemerkenswert ist: Ein ganzes Haus könne im Rohbau innerhalb von lediglich 20 Tagen erstellt werden. Diese rasche Bauweise könnte im Jahr 2026 in Serie gehen, um dem Wohnungsbau in Deutschland zu helfen.

Vorteile und Herausforderungen des 3D-Betondrucks

Die Vorteile des 3D-Betondrucks sind mannigfaltig. Der Fachkräftebedarf wird reduziert, Ressourcen schonender eingesetzt und die Kosten gesenkt – Schätzungen zufolge können die Bauprojekte 30% schneller und 10% günstiger realisiert werden als mit herkömmlichen Methoden. Zudem trägt der 3D-Druck zur Verringerung von Baustellenabfällen bei, was in Anbetracht der Tatsache, dass die Bauindustrie etwa 40% der globalen Treibhausgasemissionen verursacht, besonders relevant ist. Es bleibt jedoch zu beachten, dass der 3D-Betondruck noch nicht flächendeckend etabliert ist und die fehlenden baurechtlichen Standards eine große Hürde darstellen. Experten schätzen, dass es 5 bis 10 Jahre dauern könnte, bis diese Technologie umfassend im Bauwesen angenommen wird.

Parallel zu diesen Entwicklungen entstehen auch neue Wohnprojekte, wie ein Neubauquartier in Kernen im Remstal, das Platz für 1.300 Menschen bietet. Hier wird ein Mehrfamilienhaus in Holz-Hybridbauweise erstellt. Züblin setzt zudem auf vorgefertigte Elemente, um die Bauzeit um bis zu 40% zu verkürzen. Bürgermeister Benedikt Paulowitsch von Kernen fordert verlässliche Förderprogramme und eine schnellere Erschließung von Bauland, um den wachsenden Wohnraumbedarf zu decken.

Forschung und Innovation im Bausektor

Die Bedeutung des 3D-Drucks geht über die schnelle Bauweise hinaus. Ein Forschungsverbund der TU Braunschweig und der TU München, der unter dem Namen „Additive Manufacturing in Construction“ (AMC) bekannt ist, hat kürzlich eine vierjährige Verlängerung seiner Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft erhalten. Ziel der Forschung ist die Verbesserung des 3D-Drucks im Bauwesen mit einem besonderen Fokus auf Lehm-Bauten und Hochwasserschutz, was die ökologische Nachhaltigkeit des Bauens fördert. Der Sonderforschungsbereich TRR 277 AMC hat bereits Grundlagen für eine großflächige Anwendung der additiven Fertigung im Bauwesen geschaffen und zielt darauf ab, ressourcenschonende und emissionsarme Bauweisen zu entwickeln.

Zusätzlich zu diesen technologischen Fortschritten bietet die Anwendung von 3D-Modellierungssoftware wie Figuro die Möglichkeit, Modelle zu erstellen und anzupassen. Diese App ist für eine Vielzahl von Mitwirkenden im Bereich Design und Bau zugänglich, von Studenten über Hobbyisten bis hin zu professionellen Anwendern. Figuro ermöglicht nicht nur die Erstellung von 3D-Modellen, sondern bietet auch Hilfsvideos und ein Community-Forum, um den Nutzern Unterstützung zu bieten. Für diejenigen, die an nachhaltigen Baupraktiken interessiert sind, könnte diese Art der Technologie auf lange Sicht innovative Lösungen ermöglichen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der 3D-Betondruck und die Forschung in diesem Bereich einen bedeutenden Beitrag zur Transformation der Baubranche leisten könnten. Innovative Ansätze sind gefragt, um sowohl den ökonomischen als auch den ökologischen Herausforderungen des Bauens begegnen zu können. Die Integration dieser Technologien wird entscheidend sein, um für die Zukunft gerüstet zu sein.