Am 24. Februar 1981 ereignete sich in Sechselberg, einem Teilort von Althütte im Rems-Murr-Kreis, ein gefährlicher Vorfall, der die Menschen in der Region bis heute beschäftigt. Der amerikanische Militärkonvoi transportierte eine Pershing-Rakete, die mit einem Atomsprengkopf bestückbar war und eine Reichweite von bis zu 1.800 Kilometern hatte. Der Transport verlief jedoch nicht ohne Komplikationen, als die Technik des Sattelschleppers versagte und es zu einem Brand kam. Ein dramatisches Szenario entblätterte sich, als die Rakete mit ihrer Spitze direkt auf das Dorf Sechselberg zeigte.

Die panischen US-Soldaten versuchten, ihre Sicherheit zu gewährleisten, während die Feuerwehr – behindert durch amerikanische Militärpolizisten – am Löschen gehindert wurde. Die Dorfbewohner erhielten den dringenden Rat, Fenster und Türen zu öffnen, um den Druck einer möglichen Explosion zu mindern. Eine Stunde nach dem Brand passierte das Unfassbare: Eine Explosion fand statt, bei der Teile des Flugkörpers in ein freies Gelände flogen. Der Vorfall hinterließ einen schwarzen Fleck auf der Straße und den markanten Geruch von verbranntem Kerosin.

Ein Mahnmal für den Frieden

Im Jahr 1985 wurde an der Stelle, wo der Vorfall stattfand, eine Friedenslinde gepflanzt, um an die Bedrohung zu erinnern, die die Rakete für die Dorfbewohner darstellte. Zudem wurde eine neue Gedenktafel installiert, die sowohl die Beinahe-Katastrophe als auch die Zivilcourage der Anwohner würdigt. Insbesondere die aktivistischen Bemühungen der Friedensbewegung, die sich auch in anderen Orten wie Kernen-Stetten regte, spielten eine erhebliche Rolle. Dort wurde beispielsweise eine Y-Burg mit einem Laken verhüllt, um dem Widerstand gegen Atomraketen Ausdruck zu verleihen.

Friedensaktivisten organisierten Mahnwachen und Sitzblockaden in der Hoffnung, ihre Gemeinden atomwaffenfrei zu erklären. Der Bürgermeister von Althütte betonte die Bedeutung des Erinnerns und der Verantwortung für den Frieden in einer Welt, die von nuklearen Bedrohungen geprägt ist. Wolfgang Schlupp-Hauck von der Friedens- und Begegnungsstätte Mutlangen ergänzte, dass die Raketen die potenzielle Gefahr darstellten, das Ende der Schöpfung herbeizuführen.

Der Kontext der Pershing-Raketen

Die MGM-31 Pershing ist eine ballistische Rakete aus US-amerikanischer Produktion. Ihr Name ehrt den US-General John Joseph Pershing. Die Pershing-Raketen wurden in Europa im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses während des Kalten Krieges stationiert, als der kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion seinen Höhepunkt erreichte. Der Typ Pershing II wurde zwischen 1983 und 1985 in Deutschland stationiert und entwickelte sich schnell zu einem zentralen Punkt der Proteste der westdeutschen Friedensbewegung in den 1980er Jahren. Allein am 10. Oktober 1981 protestierten rund 300.000 Menschen gegen die Stationierung.

Die technische Evolution der Pershing-Raketen, von den frühen Modellen bis zum Pershing II, zeigt die wachsende Bedeutung und Bedrohung durch diese Systeme:

Typ Länge Durchmesser Startgewicht Sprengkopf Reichweite Treffer-genauigkeit
Pershing I 10,55 m 1.020 mm 4.600 kg W50 (60, 200, 400 kt) 740 km 150–300 m
Pershing II 10,61 m 1.036 mm 7.400 kg MARV W85 (5 bis 80 kt) 1.770 km 50–100 m

Der INF-Vertrag von 1987 führte schließlich zur Demontage aller Pershing-Raketen bis 1991. Doch auch heute noch sind einige Exemplare als Denkmäler erhalten, die an diese kritischen Zeiten erinnern und die Notwendigkeit des Friedens unterstreichen.