Am 10. Februar 2026 versammelten sich zahlreiche Beschäftigte von Mahle in Fellbach, um gegen die geplante Schließung ihres Standorts zu protestieren. Unter dem Motto „Sauer-Hour statt Happy-Hour“ nahmen rund 150 Mitarbeiter an einer einstündigen Demonstration vor dem Werk in der Schaflandstraße teil. Die Protestierenden äußerten ihren Unmut über die Zerschlagungspläne der Geschäftsführung und brachten mit dem Slogan „Fellbach bleibt!“ ihre Forderungen klar zum Ausdruck. Diese Aktion wurde von Betriebsrat und IG Metall unterstützt und zog auch Solidarität von Kollegen aus anderen Betrieben sowie IG Metall Senior*innen an.
Die Hintergründe des Protests sind besorgniserregend: Die Geschäftsführung hatte im Herbst 2025 angekündigt, innerhalb von 14 Monaten eine Verlagerung des Standorts vorzunehmen. Die Gründe dafür – hohe Kosten für die Erbpachtvertragsverlängerung und mögliche Umsatzrückgänge – werden von der Belegschaft als nicht nachvollziehbar eingeschätzt. Betriebsratsvorsitzende Jennifer Thieskes kritisierte die Pläne scharf, während Boris Schwürz, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, den Wert des Standortes betonte. Mahle Fellbach ist als „Formel-1-Hightech-Schmiede“ bekannt und hat sich durch Spezialisierung und Profitabilität einen Namen gemacht.
Die Ängste der Beschäftigten
Die Mitarbeitenden äußern nicht nur ihre Bedenken hinsichtlich der Schließung, sondern auch ihre Angst um die berufliche Zukunft. Viele fühlen sich durch die vorherigen Dementis der Geschäftsführung enttäuscht und sehen in der Protestaktion einen Ausdruck des tiefen Vertrauensverlusts in die Unternehmensleitung. Die klare Botschaft der Beschäftigten lautet: Der Standort soll erhalten bleiben, und das wertvolle Know-how muss gesichert werden. Es wurde bereits angekündigt, dass weitere Aktionen folgen könnten, falls keine Gespräche über die Zukunft des Standorts stattfinden.
Kontextualisierung der Proteste
Die Proteste in Fellbach sind Teil eines größeren Trends, der in der deutschen Industrie zu beobachten ist. So haben auch Beschäftigte bei Bosch in Sebnitz am selben Tag gegen die geplante Schließung ihres Werks demonstriert. Der Konzern kündigte an, den Standort mit 280 Beschäftigten Ende 2026 zu schließen, wobei die Produktion nach Ungarn verlagert werden soll. Dies verdeutlicht, wie Unternehmen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten ihre Standorte rationalisieren und damit die Zukunft vieler Beschäftigter aufs Spiel setzen. Gewerkschaftsvertreter betonen in solchen Fällen die Verantwortung der Unternehmen, ihre Mitarbeiter zu unterstützen und für die Arbeitsplätze zu kämpfen.
Die Situation in Fellbach und die damit verbundenen Proteste spiegeln somit nicht nur die Sorgen der Beschäftigten wider, sondern stehen auch in einem größeren wirtschaftlichen Kontext, der immer mehr Menschen betrifft.