In Deutschland gibt es immer wieder tragische Fälle von Vermissten, die die Öffentlichkeit berühren. Besonders die Geschichten von Hilal Ercan und Scarlett Salice stehen dabei im Fokus. Hilal Ercan verschwand am 27. Januar 1999 im Alter von nur 10 Jahren in Hamburg, während Scarlett Salice seit dem 10. September 2020 als vermisst gilt. Sie verschwand während einer Solo-Wanderung im Südschwarzwald. Um auf die Schicksale dieser beiden Frauen aufmerksam zu machen, haben die Familien eine außergewöhnliche Suchaktion ins Leben gerufen: Vermisstenanzeigen auf Smoothie-Flaschen.
Die Smoothie-Flaschen, die von der Firma Streker in Aspach abgefüllt wurden, tragen Fragen wie „Wo ist Scarlett?“ und „Wo ist Hilal?“. Diese Aktion, die von November bis Januar in rund 30.000 Supermärkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar war, soll Menschen ansprechen, die beim Einkaufen vorbeikommen. Für entscheidende Hinweise auf den Verbleib der beiden Frauen wurde eine Belohnung von jeweils 100.000 Euro ausgesetzt. Die gesamte Apfelsaftmenge für die Smoothies wurde von Streker gespendet, einem Familienunternehmen, das seit über 175 Jahren besteht und seit 20 Jahren mit true fruits zusammenarbeitet. Die Kampagne zielt darauf ab, die Vermissten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, doch bislang sind die Rückmeldungen eher ernüchternd: Einige Hinweise sind eingegangen, jedoch keine vielversprechenden.
Die Suche nach Hilal und Scarlett
Die Suche nach Hilal Ercan und Scarlett Salice wurde von den Familien sowie von der Polizei intensiv betrieben. Ralf Salice, der Vater von Scarlett, berichtet von rund 20 eingegangenen Hinweisen, die bisher jedoch nicht konkret waren. Die Polizei verfolgt alle Hinweise, stößt jedoch oft an Grenzen. Auch größere Suchaktionen wurden für beide Frauen durchgeführt, ohne dass es zu einem Durchbruch gekommen wäre.
Zusätzlich unterstützt ein Team von Freiwilligen namens „BittefindetScarlett“ die Familie von Scarlett aktiv bei der Suche. Die Hoffnung bleibt, dass die Suchaktion über die Smoothie-Flaschen neue, wertvolle Informationen hervorbringt, auch wenn bislang keine handfesten Hinweise vorliegen. Die ausgelobte Belohnung von 100.000 Euro für konkrete Informationen bleibt bestehen.
Der rechtliche Rahmen und die Rolle des BKA
In Deutschland gilt eine Person als vermisst, wenn sie unerklärlich von ihrem Aufenthaltsort fernbleibt und eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen wird. Das Bundeskriminalamt (BKA) spielt eine zentrale Rolle bei der Bearbeitung von Vermisstenfällen. Es wurde 1951 gegründet und koordiniert Fahndungen im In- und Ausland. Die örtliche Polizeidienststelle ist für die unmittelbare Personensuche zuständig. Bei akuter Gefahr können groß angelegte Suchmaßnahmen eingeleitet werden, oft unter Einbeziehung von Bereitschaftspolizei und Rettungsdiensten.
Die Datei “Vermi/Utot” des BKA enthält Daten zu vermissten Personen sowie zu unbekannten Toten und hilflosen Personen. Am 1. Januar 2026 waren in INPOL rund 9.100 Vermisstenfälle registriert, und täglich werden etwa 200 bis 300 neue Fahndungen erfasst. Es ist wichtig zu wissen, dass rund 50 % der Vermisstenfälle sich innerhalb der ersten Woche klären. Dennoch bleiben einige Fälle, wie die von Hilal und Scarlett, über Jahre ungeklärt, was die betroffenen Familien vor große Herausforderungen stellt.
Die Familien von Hilal Ercan und Scarlett Salice wünschen sich nicht nur Hinweise, sondern auch einen Ort des Gedenkens für ihre vermissten Angehörigen. Hinweise können anonym über die Website truefruits-vermisst.com eingereicht werden. Die Hoffnung, dass jemand sich erinnert und entscheidende Informationen liefert, bleibt bestehen.
Für die betroffenen Familien ist jede Information wertvoll, und die Suche nach Hilal und Scarlett wird weiterhin mit großem Engagement verfolgt. Es ist ein eindringlicher Appell an die Öffentlichkeit, aufmerksam zu sein und die Schicksale dieser Frauen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Kampagne mit den Smoothie-Flaschen zeigt, wie kreativ und einfühlsam die Suche nach Vermissten gestaltet werden kann.