Im Ostalbkreis steht die Mobilität im Fokus. In einer Sitzung des Umweltausschusses hat Landrat Dr. Joachim Bläse die Notwendigkeit aller Mobilitätsmittel betont. Die Präsentation einer bundesweiten Studie zur Mobilität im Ostalbkreis durch Ingo-Benedikt Gehlhaus, Leiter des Geschäftsbereichs Nachhaltige Mobilität im Landratsamt, zeigte auf, dass es in der Region an der Zeit ist, das Mobilitätsverhalten zu analysieren und gegebenenfalls anzupassen.

Die Studie ist die größte Mobilitätserhebung in Deutschland, bei der zwischen Mai 2023 und Juli 2024 über 4.000 Personen im Ostalbkreis befragt wurden. Interessante Ergebnisse waren der Anstieg der zu Fuß zurückgelegten Wege im Vergleich zu vorherigen Befragungen sowie die leichten Rückgänge beim Verkehrsaufkommen insgesamt und im motorisierten Verkehr. Über 90 % der Haushalte im Ostalbkreis besitzen Autos, 78 % Fahrräder und 33 % E-Bikes. Das Auto bleibt das dominierende Verkehrsmittel: 50 % der Bevölkerung nutzt es täglich oder fast täglich.

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Ergebnisse der Mobilitätsstudie

Die Zahlen zeigen, dass weniger als 10 % der Befragten täglich oder fast täglich das Fahrrad oder den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen. Der Modal Split verdeutlicht, dass über 80 % der Personenkilometer mit dem Auto zurückgelegt werden, während 13 % mit dem ÖPNV, 4 % zu Fuß und 3 % mit dem Fahrrad erfolgen. Eine durchschnittliche Familie im Ostalbkreis, bestehend aus Eltern und zwei Kindern, hat 1,5 Autos und 2,6 Fahrräder, was auf die hohe Abhängigkeit von motorisierten Verkehrsmitteln hinweist.

Die durchschnittliche tägliche Wegstrecke beträgt 35 Kilometer mit einer Reisezeit von 83 Minuten pro Person. Dabei nutzen jüngere Familienmitglieder vielfältigere Verkehrsmittel, während ältere Generationen eher habitualisiert sind. Die Automobilität erhielt eine Schulnote von 2,0, während der ÖPNV mit 3,5 bewertet wurde. Hauptkritikpunkte sind unzuverlässige Verbindungen, lange Reisezeiten und hohe Preise.

Diskussion um Mobilitätsverbesserungen

In der Debatte über die Mobilität im Ostalbkreis betonte Christoph Konle (CDU) die Unverzichtbarkeit des Autos im ländlichen Raum. Dr. Monika Benk (Linke) hingegen kritisierte, dass mehr für Autos als für Radfahrer getan werde. Dr. Susanne Garreis (Grüne) sah Nachholbedarf für ÖPNV-Nutzer, Radfahrer und Fußgänger. Es wurden Diskussionen über mögliche Bürgerentscheide und die Notwendigkeit, die Bedingungen für Radfahrer zu verbessern, geführt.

Die Daten der Studie „Mobilität in Deutschland 2023“ (MiD 2023) sind über den MobilityData Campus (MDC) verfügbar und ergänzen die Ergebnisse der lokalen Studie. Diese Erhebung ist die größte bundesweite Erhebung zur Alltagsmobilität in Deutschland, die in den Jahren 2002, 2008, 2017 und 2023 durchgeführt wurde. Ziel der MiD ist es, aktuelle und regional präzise Kennwerte der Alltagsmobilität für die Verkehrspolitik und -planung bereitzustellen. Die Befragung richtet sich an private Haushalte, die an einem zufällig ausgewählten Tag über ihre zurückgelegten Wege berichten. Wichtige Fragen betreffen die Häufigkeit, den Zweck, die genutzten Verkehrsmittel, Weglängen und Reisezeiten.

Einordnung und Ausblick

Die Ergebnisse der MiD 2023 zeigen, dass die Verkehrszahlen im Jahr 2023/2024 niedriger sind als 2017. Täglich wurden 249 Millionen Wege (-3 %) und 2.983 Millionen Kilometer Wegstrecke (-7 %) zurückgelegt. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) hat einen leichten Rückgang erfahren, während der öffentliche Verkehr von 10 % (2017) auf 11 % (2023) gestiegen ist. In urbanen Gebieten nutzen 31 % der Menschen Wege zu Fuß, während 33 % mit dem MIV unterwegs sind. Der Fahrradanteil liegt bei 15 %, und Bus und Bahn kommen auf 21 %.

Die Einführung des Deutschlandtickets hat die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel erhöht, vor allem in Metropolen. Diese Entwicklungen sind wichtig, um künftige Mobilitätsstrategien zu gestalten. Es bleibt abzuwarten, wie die kommunalen Entscheidungsträger die Ergebnisse der Studien umsetzen können, um die Mobilität im Ostalbkreis nachhaltig zu verbessern. Die Ergebnisse stehen im MobilityData Campus der BASt für wissenschaftliche und öffentliche Anwendungen zur Verfügung, und die kontinuierliche Datenerhebung wird bis zur Einführung der nächsten MiD-Basis 2028 erforderlich sein.

Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Mobilitätsstudie im Ostalbkreis finden Sie unter diesem Link. Informationen zur bundesweiten Mobilitätserhebung sind auf der Webseite der BASt zu finden, und umfassende Daten zur Alltagsmobilität stehen unter diesem Link bereit.