Lieferengpässe bei Medikamenten sind zum allgegenwärtigen Problem geworden, das Apotheken im Ostalbkreis und in ganz Deutschland belastet. Aktuell verzeichnen bundesweit mehr als 525 offiziell gemeldete Engpässe, die einen erheblichen Einfluss auf die Arzneimittelversorgung haben. Besonders spürbar ist der Mangel bei Antibiotika für Kinder, Asthma-Mitteln sowie Präparaten für ADHS. Apotheker im Ostalbkreis berichten von häufigen Lieferproblemen, die zu einer zusätzlichen Belastung für das Personal führen, das vermehrt Bezugsquellen und Alternativen ausfindig machen muss. Auch die Patienten spüren die Auswirkungen dieser Situation direkt.

Die Gründe für die Engpässe sind vielschichtig. Eine starke Abhängigkeit von wenigen globalen Produktionsstandorten, vor allem in Asien, wird als Hauptursache genannt. Zudem verschärfen geringe Vorratshaltung, falsche politische Entscheidungen und Produktionsverlagerungen ins Ausland die Lage. Diese Faktoren führen dazu, dass Deutschland – einst als „Apotheke der Welt“ bekannt – in der Medizinerzeugung weit hinter Ländern wie China oder Indien zurückliegt, was die Versorgung mit erforderlichen Medikamenten zunehmend erschwert.

Aktuelle Medikation betroffen

Unter den betroffenen Arzneimitteln finden sich wichtige Medikamente für chronisch Kranke wie Doxycyclin, Quetiapin und verschiedene Blutdrucksenker. Besonders betroffen sind Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen sowie solche, die auf Antidepressiva oder Antiepileptika angewiesen sind. Michael Engelmeier, Vorstandsvorsitzender des Sozialverbands Deutschland, warnt, dass diese Engpässe eine große Belastung für viele Menschen, insbesondere Ältere und chronisch Kranke, darstellen.

Die Aromodulation der Situation wird durch die sporadische Verfügbarkeit bestimmter Medikamente weiter kompliziert. Es gibt zwar Berichte über gewisse Verbesserungen bei Kinderarzneimitteln, doch eine baldige Entspannung ist nicht absehbar. Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, betont, Deutschland sei schlecht auf den bevorstehenden Winter vorbereitet und sieht die Notwendigkeit, die Produktion in Europa zu stärken, um die Verorgungslage zu verbessern.

Empfehlungen für Patienten

Um die Unannehmlichkeiten aufgrund der Medikamentenknappheit zu minimieren, raten Fachleute dazu, frühzeitig bei Ärzten und Apothekern nach der Verfügbarkeit von Arzneimitteln zu fragen. Zudem sollten Patienten bereit sein, über Alternativen oder andere Packungsgrößen zu diskutieren. Das eigenständige Horten von Medikamenten ist dabei nicht empfehlenswert, da es die Versorgung für andere gefährden könnte.

Insgesamt zeigt die Tendenz der Lieferengpässe deutlich nach oben, nachdem sie nach einem Tiefstand im Jahr 2020 eine Zeitlang relativ stabil waren. Der Sozialverband fordert zunehmend mehr Handlungsspielraum für Apotheken, um bürokratische Hürden abzubauen und die schnelle Versorgung von Patienten zu gewährleisten. Die Situation ist also komplex und erfordert ein gemeinsames Handeln von Apothekern, Ärzten und der Politik, um die Arzneimittelversorgung nachhaltig zu sichern.

Während die Apotheker im Ostalbkreis und darüber hinaus weiterhin ihr Bestes geben, sehen sie sich mit Herausforderungen konfrontiert, die sowohl die Gesundheitssysteme als auch die betroffenen Patienten in den kommenden Monaten vor große Prüfungen stellen könnten.

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