Im Zeitalter der ständigen Erreichbarkeit und der wachsenden Anforderungen an die Arbeitswelt wird die Diskussion um eine gerechte Verteilung von Zeit, Arbeit und familiären Verpflichtungen immer drängender. Anlässlich des Internationalen Frauentages 2026 findet eine Veranstaltung in Ludwigsburg statt, die sich intensiv mit diesen Themen auseinandersetzt. Unter dem Titel „Zeitaltspolitik: Zeit für Arbeit, Familie und persönliche Bedürfnisse“ wird die Journalistin und Autorin Teresa Bücker aus ihrem Sachbuch „Alle Zeit“ lesen. Die Lesung beleuchtet zentrale Themen wie Zeitgerechtigkeit, gesellschaftliche Verantwortung und die faire Verteilung von Lebenszeit. Diese Veranstaltung wird von der vhs Ludwigsburg organisiert und findet im Kulturzentrum (KUZ) in der Wilhelmstraße 9/1 statt.
Die gesellschaftlichen Herausforderungen sind vielfältig. Immer mehr Menschen spüren die Erschöpfung und Überlastung in ihrem Arbeitsalltag. Die Forderungen nach längeren Arbeitszeiten und einer Erhöhung des Renteneintrittsalters stehen im Raum, während gleichzeitig Mütter immer stärker in den Fokus rücken. Trotz der unzureichenden Betreuungsangebote fordern viele, dass Mütter eine höhere Erwerbstätigkeit an den Tag legen. Diese ungleiche Verteilung von Macht und Freiheit in der Gesellschaft ist eine politische Frage, die nicht ignoriert werden kann. Die Veranstaltung in Ludwigsburg möchte einen Raum für diese Diskussion bieten und auf die drängenden Fragen aufmerksam machen.
Details zur Veranstaltung
Die hybride Veranstaltung ermöglicht eine Teilnahme sowohl vor Ort als auch online. Für die Teilnahme vor Ort ist keine Anmeldung erforderlich, während die Online-Teilnahme über die vhs Ludwigsburg (Kursnummer 2618002) angemeldet werden muss. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Veranstalter sind die vhs Ludwigsburg, die Citykirche Ludwigsburg sowie die Katholische Erwachsenenbildung im Landkreis Ludwigsburg e.V. Wer Fragen hat, kann sich unter der Kontakttelefonnummer (07141) 910-2438 an die vhs wenden.
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
Die Herausforderungen, die sich für Eltern in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ergeben, sind enorm. Im Jahr 2023 waren in Deutschland 7,2 Millionen Mütter und 6,2 Millionen Väter im erwerbsfähigen Alter mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren im Haushalt. Von diesen waren 68 % der Mütter und 92 % der Väter erwerbstätig, ohne Unterbrechungen durch Elternzeit oder Mutterschutz. Die Erwerbstätigenquote variiert jedoch stark, je nach Alter des jüngsten Kindes. So sind beispielsweise nur 40 % der Mütter mit einem Kind unter 3 Jahren erwerbstätig, während bei Müttern mit einem Kind zwischen 10 und 14 Jahren die Quote auf 84 % steigt. Diese Unterschiede basieren nicht zuletzt auf der Betreuungssituation und werfen Fragen zur Gleichstellung und gerechten Verteilung von Arbeitszeit auf.
Gerade in Anbetracht der politischen Diskussionen um Arbeitszeiten und die Erhöhung des Renteneintrittsalters ist es unerlässlich, die Thematik der Zeitpolitik weiter zu beleuchten. Der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (2011) und die darauf folgenden Berichte zeigen, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt nach wie vor nicht erreicht ist. Auch aktuelle Studien, wie die von Julia Bringmann (2022) über selbstbestimmte Optionszeiten im Erwerbsverlauf, verdeutlichen, dass es an der Zeit ist, diese Fragen ernsthaft anzugehen.
Die Veranstaltung in Ludwigsburg ist also nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte über Zeit, Arbeit und die Verantwortung, die wir als Gemeinschaft tragen. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf der Website der Stadt Ludwigsburg hier.
Eine fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik ist unerlässlich, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Denn letztlich betrifft die Frage nach der Verteilung von Zeit und Arbeit nicht nur die Familien, sondern die gesamte Gesellschaft.






