Die Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Walheim nimmt erste Formen an. Am heutigen Tag, dem 29. Januar 2026, wurden die ersten Segmente des Wirbelschichtofens angeliefert und installiert. Laut Stimme transportierte ein Schiff die vier schwergewichtigen Teile über den Neckar zum Standort der Energieunternehmen EnBW. Das erste Segment wiegt beeindruckende 26 Tonnen und wurde mit einem Autokran installiert, dessen Kranführer Günther Mühleck war. Dieser benötigte dafür 140 Tonnen Ballast, wobei die Montage nach mehreren Stunden Vorbereitung abgeschlossen wurde.
Die Gesamthöhe des Wirbelschichtofens wird 25 Meter betragen. Geplant ist die Inbetriebnahme der Anlage im ersten Quartal 2028, was im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben zur thermischen Verwertung von Klärschlamm bis 2029 von großer Bedeutung ist. Ab diesem Zeitpunkt ist es in Baden-Württemberg zwingend erforderlich, Klärschlamm thermisch zu verwerten, um unter anderem den wertvollen Phosphor zurückzugewinnen, der als Rohstoff für Düngemittel dient.
Bedeutung des Projekts für die Region
Das ehemalige Kohlekraftwerk, welches sich am gleichen Standort befindet, ist seit Frühjahr außer Betrieb, und die Gemeinde Walheim hat gegen die Baugenehmigung der neuen Anlage Klage eingereicht. Ein Gericht wird im März über diese Klage entscheiden, während EnBW seine Zuversicht trotz der rechtlichen Herausforderungen betont. Laut EnBW sind seit April 2022 bereits umfangreiche Dialogformate mit Bürgern und kommunalen Vertretern durchgeführt worden. Diese hätten zur Verkleinerung des Bauvorhabens beigetragen und die Integration der neuen Anlage in das Landschaftsbild verbessert.
Bei verschiedenen Veranstaltungen konnten die Bürger ihre Fragen, Anregungen und Bedenken äußern. EnBW zeigt sich offen für die Diskussion, sodass alle angesprochenen Themen in die Planungen einfließen. Insbesondere die Geräusch- und Rauchentwicklung war ein wichtiges Thema; die Gemeinde stellte fest, dass der Rauch nicht durch den Betrieb, sondern durch die Gebäudeheizung des ehemaligen Kohlekraftwerks verursacht wird.
Technologische Details und Umweltauswirkungen
Das thermische Verfahren zur Verwertung des Klärschlamms ist hochmodern. Der Klärschlamm wird in einen Annahmebunker zur Zwischenlagerung transportiert, bevor er in einen Scheibentrockner geleitet wird. Dort wird der Schlamm bei etwa 100 Grad vorgetrocknet, um ihn anschließend im Wirbelschichtofen ohne zusätzlichen Brennstoff verbrennen zu können. Die Verbrennung erfolgt bei mindestens 850 Grad, wodurch das erzeugte heiße Rauchgas in einem Abhitzekessel zur Hochdruckdampferzeugung genutzt wird.
Diese innovative Technik hat nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische Vorteile. Durch die Rückgewinnung des Phosphors aus der Asche, der als Pflanzendünger verwendet werden kann, trägt das Projekt zur Schonung von Ressourcen bei. Ab 2029 wird die Rückgewinnung von Phosphor gesetzlich verpflichtend sein, wobei die Umsetzung der neuen Klärschlammverordnung darauf abzielt, den Anteil des Phosphor-Recyclings bis zu diesem Zeitpunkt auf 65 Prozent zu erhöhen. Dies könnte bis zu 38 Prozent des in Deutschland benötigten Phosphors für Mineraldünger abdecken, was auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen Abfallwirtschaft hinweist.
Für die Zukunft der Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Walheim sind ab 2028 bedeutende Veränderungen zu erwarten. Täglich werden bis zu 90 Lkw für die Anlieferung des Klärschlamms benötigt. Eine vollständige Bauabwicklung wird bis Mitte des Jahres angestrebt. Ein Antrag auf Betriebsgenehmigung wird im Laufe des Jahres eingereicht, und Überlegungen für den Rückbau der alten Kohleanlage, einschließlich des Schornsteins, stehen ebenfalls im Raum.
Die Entwicklung in Walheim ist ein Beispiel für den Wandel hin zu ressourcenschonenden Lösungen in der Energieerzeugung und der Abfallwirtschaft.