Zwei Sozialarbeiterinnen des Kreisdiakonieverbands Ludwigsburg, Marisa Kratzer und Christina Reinold, haben eine innovative App namens Fillo entwickelt, die das Potenzial hat, die Sozialarbeit entscheidend zu revolutionieren. Die Initiative entstand aus der dringenden Notwendigkeit, Klienten bei der Bürokratie und dem Ausfüllen von wichtigen Formularen wie beispielsweise für das Jobcenter, die Aufenthaltserlaubnis oder das Wohngeld effizienter zu unterstützen. Die App wird im April 2026 auf den Markt kommen und könnte vor allem Menschen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien und der Ukraine zugutekommen, die oft mit komplexen bürokratischen Prozessen konfrontiert sind. Laut den Stuttgarter Nachrichten wird Fillo nicht nur die Abläufe vereinfachen, sondern auch die Zeit zur Unterstützung eines Klienten signifikant reduzieren, von einer Stunde auf zwei Stunden für bis zu acht Personen.
Die App wird in Zusammenarbeit mit der Software-Firma Readyplace aus Oldenburg realisiert und wurde bereits im November 2025 in Stuttgart vorgestellt. Fillo, was für „Fill Out“ (ausfüllen) steht, bietet Nutzern die Möglichkeit, Fragebögen auf Papier korrekt auszufüllen und gibt währenddessen wertvolle Tipps zu den jeweiligen Fragen. Datenschutz hat dabei höchste Priorität, denn die Bearbeitung der Fragen erfolgt nicht online.
Mehrsprachigkeit und Zugänglichkeit
Ein wesentlicher Vorteil der Fillo-App ist ihre mehrsprachige Unterstützung. Sie wird sieben Sprachen abdecken, darunter Ukrainisch, Persisch und Arabisch. Dies fördert die Zugänglichkeit für eine breite Nutzergruppe und erleichtert den Kontakt zu den jeweiligen Behörden. Zudem wird in Steinheim ein Erklär-Café eingerichtet, das als Modell für die Anwendung der App dient. Weitere Cafés in Baden-Württemberg sind bereits in Planung.
Ein weiterer Aspekt der App ist ihre Funktion als digitales Hilfsmittel. Fillo wird Anwender durch Schritt-für-Schritt-Anleitungen beim Ausfüllen der Anträge leiten. Eine Registrierung oder Kontopflicht besteht nicht, und es werden keine Daten gespeichert, was zusätzliche Sicherheit für die Nutzer garantiert. Diese digitale Selbsthilfe stärkt die Ratsuchenden und fördert ihre Autonomie.
Digitalisierung als Schlüssel zur Innovation
Die Entwicklung von Fillo ist Teil eines größeren Trends in der Sozialarbeit, der die Digitalisierung als Motor für soziale Innovation und Integration begreift. Laut der Diakonie Württemberg wird drängend nach neuen, barrierearmen Lösungen gesucht, um Fachkräfte in ihrer Arbeit zu entlasten. Der Kreisdiakonieverband Ludwigsburg hat die Fillo-App aus der praxisnahen Arbeit mit Geflüchteten entwickelt, was sich als zukunftsweisend erweist. Digitale Tools schaffen nicht nur Freiräume für die Fachkräfte, sondern fördern auch resilientere Strukturen zur Krisenbewältigung.
Die App wird als ein signifikanter Schritt in Richtung einer digitalen Transformation in der sozialen Arbeit angesehen, der im Einklang mit der „Agenda für smarte Gesellschaftspolitik“ des Bundesfamilienministeriums steht. Diese Strategie zielt darauf ab, digitale Innovationen für gesellschaftliche Herausforderungen inklusiv und nachhaltig zu nutzen, um die allgemeine soziale Sicherheit zu fördern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Fillo-App nicht nur Bürokratie abbaut, sondern auch das Potenzial hat, die soziale Arbeit grundlegend zu verändern und zu innovieren. Der Geschäftsführer des Kreisdiakonierverbands, Martin Strecker, sieht in der App eine neue Methode, die auch in anderen Bereichen wie der Schuldnerberatung Anwendung finden könnte.