Am heutigen Tag, dem 6. Februar 2026, nehmen wir Abschied von Pfarrer Rau, einem Mann des Ausgleichs, der eine prägende Rolle in der Kirchengemeinde Sersheim gespielt hat. Während seiner Studienzeit in Tübingen lernte er seine Frau Christa kennen, die selbst über umfassende akademische Abschlüsse in Germanistik und Theologie verfügt. Die beiden trugen während Rau’s Vikariatszeit in Endersbach aktiv zur Entwicklung ihrer spirituellen und theologischen Perspektiven bei.
Pfarrer Rau entschied sich, als einziger von beiden den Pfarrberuf weiterzuverfolgen. In seiner theologischen Arbeit legte er einen besonderen Fokus auf die Entmythologisierung der biblischen Texte, ein Konzept, das auf den deutschen Theologen Rudolf Bultmann zurückgeht. Rau entdeckte für sich die Wurzeln Jesu im Judentum und versuchte, diese Erkenntnisse in seine Seelsorge zu integrieren.
Rudolf Bultmann – Ein Wegbereiter der modernen Theologie
Rudolf Karl Bultmann, geboren am 20. August 1884 in Wiefelstede, war ein angesehener deutscher evangelischer Theologe und wurde bekannt für sein Konzept der Entmythologisierung. Bultmann, Sohn eines Pfarrers, prägte die Theologie des 20. Jahrhunderts und schaffte eine Brücke zwischen antiken Texten und dem modernen, wissenschaftlich orientierten Menschen. Sein Studium der Evangelischen Theologie und Philosophie in Tübingen, Berlin und Marburg bildete die Grundlage seiner späteren theologischen Auseinandersetzungen, die auch die Herausforderung von Karl Barth umfassten.
Die Entmythologisierung, die Bultmann in seinen Werken wie „Neues Testament und Mythologie“ (1941) propagierte, zielte darauf ab, die biblische Botschaft für die moderne Zeit verständlich zu machen. Dabei stellte er einen klaren Unterschied zwischen dem „Sein außerhalb des Glaubens“ und dem „Sein im Glauben“ auf. Sein Programm beeinflusste zahlreiche Schüler, darunter so bedeutende Persönlichkeiten wie Ernst Käsemann und Dorothee Sölle.
Die Relevanz von Bultmanns Ansatz in der modernen Theologie
Bultmann kritisierte die historische Jesusforschung und wandte sich gegen die Überbetonung des historischen Kontextes. Stattdessen stellte er die existentielle Interpretation der christlichen Verkündigung in den Vordergrund. Dies rief sowohl Bewunderung als auch Widerspruch hervor, wie zum Beispiel von Karl Rahner und Karl Barth, die den Wert einer historischen Betrachtung der Texte betonten. Dennoch bleibt Bultmanns Einfluss unbestritten und sein Anliegen, die Botschaft des Neuen Testaments an den aufgeklärten Menschen zu vermitteln, von großer Bedeutung.
Die Auseinandersetzung mit Bultmanns theologischen Ansätzen wird auch heute noch lebhaft geführt, wobei sein Erbe durch Institutionen wie das Rudolf-Bultmann-Institut für Hermeneutik in Marburg gewahrt wird. Bultmann verstarb am 30. Juli 1976, und sein Grab auf dem Hauptfriedhof in Marburg ist ein Ort des Gedenkens an einen der einflussreichsten Theologen des 20. Jahrhunderts.
Pfarrer Rau und Rudolf Bultmann teilen nicht nur einen theologischen Bezug, sondern auch das Bemühen, die Größe der biblischen Botschaft in einer sich ständig wandelnden Welt zu vermitteln. In diesem Sinne bleibt die Arbeit von Pfarrer Rau und die Lehre von Bultmann ein bedeutendes Erbe für zukünftige Generationen von Theologen und Gläubigen.
Weitere Informationen über Bultmanns Leben und Werk finden Sie in den Artikeln auf Bietigheimer Zeitung, Wikipedia und Katholisch.de.