Das Werk von Bosch in Schwieberdingen steht unter einem unheilvollen Schatten: Der weltweit größte Autozulieferer plant einen massiven Stellenabbau, der auch vor der Belegschaft in Schwieberdingen nicht Halt macht. Burkhard Pohlschmidt, ein Ingenieur des Unternehmens, äußert sich anonym und schildert die angespannte Atmosphäre, die von Angst und strengen Kontrollen geprägt ist. „Wir stehen unter Druck“, so Pohlschmidt, und beschreibt den verschärften Umgangston im Betrieb. Laut Stuttgarter Nachrichten sorgt die Unsicherheit über die Zukunft der Arbeitsplätze für Unruhe unter den Mitarbeitern.
Das Ausmaß des Stellenabbaus ist beachtlich: In Schwieberdingen sollen 1.750 Stellen wegfallen, Teil der insgesamt angekündigten 13.000 Arbeitsplätze, die in deutschen Bosch-Standorten bis 2030 abgebaut werden sollen. Zusätzliche 9.000 Stellen wurden bereits seit Anfang 2024 im Mobility-Bereich gestrichen. Die betroffenen Standorte umfassen auch Stuttgart-Feuerbach, Waiblingen, Bühl und Homburg, mit einer Gesamtsumme von geplanten 22.000 Stellenkäufen bis Ende des Jahrzehnts. Gewerkschaften wie die IG Metall haben bereits Widerstand angekündigt, um die Interessen der Mitarbeiter zu vertreten, wie Tagesschau berichtet.
Ein Klima der Angst und Unsicherheit
Die Atmosphäre in Schwieberdingen wird durch ein strengeres Überwachungssystem für Büroanwesenheit sowie durch den Rat des Betriebsrats, keine Fehler bei der Stechuhr zu machen, weiter angespannt. Dies fördert eine Kultur, die von Besorgnis und Misstrauen geprägt ist. Mitarbeiter berichten, dass ihre Leistungen nun mehr denn je evaluiert werden. Der Kündigungsschutz, der für viele bis 2029 gilt, könnte laut internen Informationen lediglich bis 2027 aufrechterhalten werden, was Ängste um betriebsbedingte Kündigungen aufkommen lässt.
Der Umsatz von Bosch in Deutschland betrug 18,9 Milliarden Euro, das Unternehmen hat 2023 rund 134.200 Mitarbeiter beschäftigt. Die Sorgen um Arbeitsplatzverluste kommen in einem kontextuellen Rahmen, der allgemein für die deutsche Industrie herausfordernd ist; so sank die Beschäftigung in der Branche um 1,8 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Sorgen über einen weiteren Stellenabbau sind nicht unbegründet. EY berichtet von einem bevorstehenden Verlust von mindestens 70.000 Stellen in der Industrie, was den Druck auf Unternehmen wie Bosch erhöht, effizienter zu wirtschaften. Dies geschieht nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines Umsatzrückgangs in der deutschen Autoindustrie von 0,7 % im ersten Quartal 2023.
Proteste und Unmut in der Belegschaft
Der bevorstehende Wegfall des zusätzlichen Monatsgehalts für Jubilare ab dem 1. Januar 2026 trägt zusätzlich zur Unzufriedenheit in der Belegschaft bei. Viele Mitarbeiter, die in Transformationsgesellschaften sind, denken über ihre berufliche Zukunft nach und mögliche Ausstiegsoptionen, wie Abfindungen oder Altersteilzeit. Pohlschmidt selbst überlegt, ob er bis 67 arbeiten möchte oder einen anderen Weg einschlagen sollte.
Das Gefühl der Gemeinschaft im Unternehmen hat stark gelitten. Der Druck, der von der Unternehmensführung zur Effizienzsteigerung kommt, gepaart mit der Notwendigkeit, Kosten durch Maßnahmen wie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die Reduzierung von Investitionen zu senken, führt zu einem immer fragmentierteren Arbeitsumfeld. Der Schock über die Stellenabbaupläne hat bereits zu Protesten auf dem Werksgelände geführt und die Belegschaft dazu veranlasst, sich stärker zu organisieren.
Die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die Arbeiter von Bosch in Schwieberdingen und darüber hinaus sind noch nicht abzusehen, aber der allgemeine Tenor lässt auf unruhige Zeiten für die betroffenen Mitarbeiter schließen. Es bleibt abzuwarten, wie die Unternehmensführung auf den zunehmend lauter werdenden Widerstand reagieren wird.