In Deutschland zeigen Verbraucher zunehmend Zurückhaltung beim Kauf von Modeartikeln. Laut einer aktuellen Umfrage des Preisvergleichsportals Idealo sind mehr als 50 % der Online-Käufer bereit, bei Bekleidung und Accessoires Abstriche zu machen. Diese Entwicklung ist eine Reaktion auf die stark gestiegenen Preise, die vielerorts zu einem Wunsch nach Einsparungen führen. Damit leidet der deutsche Modehandel unter einem signifikanten Rückgang bei den Umsätzen, während die Branche sich zugleich mit wachsenden Kosten und einer intensiveren Konkurrenz aus Asien konfrontiert sieht. Besonders der stationäre Handel steht vor ernsthaften Herausforderungen. Traditionsunternehmen wie Galeria, Esprit und Sinn haben bereits Insolvenz anmelden müssen, was die prekäre Lage verdeutlicht, die sich im letzten Jahr dramatisch verschärft hat
.
Das Jahr 2023 war das bisher herausforderndste für die Modeindustrie. Von globalen Krisen wie dem Krieg in der Ukraine über steigende Inflation bis hin zu einem sinkenden Verbrauchervertrauen sind viele Faktoren für die Unsicherheit verantwortlich. Trotz dieser Widrigkeiten konnten einige Unternehmen ihre Umsätze in der ersten Jahreshälfte steigern, sofern sie ihre Kosten gut im Griff hatten. Schwierigkeiten traten jedoch vor allem im dritten Quartal auf, als der stationäre Handel mit einem Umsatzrückgang von 12 % konfrontiert wurde – das erste Minus-Quartal seit Anfang 2021. In einer von McKinsey durchgeführten Umfrage betrachten 75 % der Modeunternehmen 2024 als mindestens ebenso herausfordernd wie 2023[McKinsey].
Ein herausforderndes Jahr
Die Unsicherheiten sind nicht nur auf nationale Belange beschränkt. Geopolitische Instabilität, wirtschaftliche Volatilität und Inflation wurden von den Befragten als die größten Risiken für das Wachstum in der Modebranche identifiziert. 62 % der Führungskräfte heben die geopolitischen Risiken hervor, während Inflation für nur 50 % der Befragten noch von belästigender Bedeutung ist;
im Vorjahr waren es noch 78 %. Für Deutschland erwartet fast die Hälfte der Befragten, dass die Lage unverändert bleibt, während 26 % eine Verschlechterung befürchten[Bietigheimer Zeitung].
Der Ausblick für 2024 ist wenig optimistisch: Vorhersagen zufolge wird das weltweite Wachstum der Modeindustrie zwischen 2 und 4 % liegen, in Europa lediglich zwischen 1 und 3 %. Im Luxussegment wird ein langsameres Wachstum von 3 bis 5 % prognostiziert, verglichen mit 7 % im Vorjahr. 71 % der Firmenchefs planen, ihre Umsätze durch Preiserhöhungen zu steigern, doch nur 15 % der deutschen Führungskräfte glauben, dass dies angesichts der Verbrauchertrends, die nach günstigeren Preisen verlangen, funktionieren wird[McKinsey].
Trends und Herausforderungen
Die Branche muss sich auf verschiedene Trends einstellen, darunter das Thema Nachhaltigkeit, das von vielen Führungskräften als Priorität behandelt wird; 12 % setzen es sogar an die Spitze ihrer Agenda. Ein weiteres aufkommendes Thema ist die Nutzung von generativer KI, wobei über 73 % der Führungskräfte plant, in diesen Bereich zu investieren. Auf der anderen Seite beklagen die meisten jedoch einen Mangel an qualifiziertem Personal. Der Outdoor-Boom zeigt sich in einer steigenden Nachfrage nach Outdoor-Bekleidung und Lifestyle-Kollektionen, während Verbraucher zunehmend authentische Marken und weniger perfekte Influencer bevorzugen[Bietigheimer Zeitung].
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der deutsche Modehandel sich in einem tiefen Umbruch befindet. Inmitten von Kostendruck, verändernden Verbraucherwünschen und geopolitischen Unsicherheiten müssen Unternehmen vorausschauend planen, ihre Lagerbestände kontrollieren und auf neue Anforderungen der Kunden eingehen, um nicht weitere Marktanteile an die Konkurrenz zu verlieren.