Der Rückgang der Wirtschaft in Russland macht derzeit Schlagzeilen, insbesondere aufgrund der aggressiven geldpolitischen Maßnahmen der Moskauer Zentralbank. Laut dem Institut für Wirtschaftsforschung (wiiw) wird die Situation vor allem durch die extrem hohen Zinsen von 20 Prozent verursacht, die Kredite für viele Bürger unerschwinglich machen. Viele Menschen lassen ihr Geld lieber auf der Bank liegen, als es für Konsum auszugeben. Dies führt zu einer spürbaren Bremsung des Wirtschaftswachstums. Im Zusammenhang mit diesen Entwicklungen warnt Vasily Astrov, ein Experte für Russland, vor einer drohenden Pleitewelle, die nicht nur kleinere Unternehmen, sondern auch große Konzerne und Leitbetriebe betreffen könnte. Dies könnte in naher Zukunft zu gravierenden wirtschaftlichen Verwerfungen führen, was die ohnehin angespannte Lage noch verschärfen würde. Die Zentralbank hat als Hauptziel die Kontrolle der Inflation, jedoch scheinen die Maßnahmen nicht die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Bietigheimer Zeitung berichtet, dass diese Politik auch die Prognosen für das zukünftige Wirtschaftswachstum trübt.
In der Eurozone sieht die Lage ebenfalls herausfordernd aus. Trotz der Bemühungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zieht die Inflation wieder an. Aktuell liegt die Teuerung mit 2,3 Prozent über dem angestrebten Ziel von 2 Prozent, und Prognosen deuten darauf hin, dass die Inflationsraten in den kommenden Monaten weiter steigen könnten. Besonders auffällig ist die hohe Kerninflation, die mittlerweile bei 2,7 Prozent steht. Die Preiserhöhungen bei Nahrungsmitteln und Dienstleistungen, letztere sogar um vier Prozent, tragen zur Unsicherheit bei.
Inflationstreiber und Folgen für die Geldpolitik
Die Gründe für die anhaltende Inflation sind vielfältig. Faktoren wie De-Globalisierung und Lieferengpässe wurden als wesentliche Treiber identifiziert. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kritisiert die EZB, dass sie die Zinsen hätte schneller erhöhen sollen, um die Inflation zu dämpfen. Marktspekulationen zielen auf bevorstehende Zinssenkungen ab, auch wenn die angemessene Reaktion angesichts der strukturellen Probleme der Wirtschaft fraglich bleibt. Der DAX bewegt sich derzeit über 20.000 Punkten, was ebenfalls auf die Unsicherheiten an den Finanzmärkten hinweist. Laut Tagesschau wird eine Senkung um einen Viertelprozentpunkt erwartet, doch diese Entscheidung bleibt umstritten.
Einige Volkswirte warnen davor, dass Zinssenkungen möglicherweise wenig bewirken können, solange die strukturellen Probleme ungelöst bleiben. Aus diesem Grund wird vorgeschlagen, dass die EZB die Zinsen unverändert lassen und sich stärker auf die Bekämpfung der Inflation konzentrieren sollte. Diese Herausforderungen sowohl in Russland als auch in der Eurozone verdeutlichen die komplexen Zusammenhänge zwischen geldpolitischen Maßnahmen und den tatsächlichen wirtschaftlichen Bedingungen.