Am 9. Februar 2026 wird in Waiblingen an die tragischen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs und die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft erinnert. Während des Krieges fielen 552 Waiblinger, was umgerechnet auf die heutige Einwohnerzahl der Kernstadt etwa 1.638 Toten entspricht. Diese Zahlen verdeutlichen eindringlich die tiefen Wunden, die der Krieg in der Zivilbevölkerung hinterließ. Besonders betroffen waren nicht nur Soldaten an der Front, sondern auch verschiedene Gruppen in der Gesellschaft, darunter Menschen mit Behinderung, politische Gegner und jüdische Waiblinger wie Berta Kahn, die unter dem brutalen Regime litten. Ein neues Buch setzt sich mit diesen Erfahrungen auseinander und beleuchtet das Leben in Waiblingen während der Weltkriege, wie ZVW berichtet.
Am 8. Mai 2025 wurde auf dem Friedhof in Waiblingen der Opfer der Naziherrschaft gedacht. Der Kreisverband Rems-Murr des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hielt eine bewegende Gedenkveranstaltung ab, in deren Rahmen Kränze niedergelegt und Gedenktafeln gereinigt wurden. Diese Gedenkstätte steht symbolisch für die 1.300 Zwangsarbeiter*innen, die während des Krieges in der Region litten. Andre Fricke, Gewerkschaftssekretär des DGB, wies in seiner Ansprache darauf hin, dass der Terror und die Ausbeutung durch die Nazis auch im Rems-Murr-Kreis spürbar waren. Die Rückkehr zur Erinnerung und das Streben nach einem gesetzlich verankerten Feiertag am 8. Mai wurden von Fricke eindrucksvoll gefordert, um den Opfern endlich die Würdigung zu geben, die sie verdienen, wie DGB anmerkt.
Die Erinnerungskultur in Deutschland
Der 27. Januar ist als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland von großer Bedeutung. Er erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945. In der deutschen Erinnerungskultur nimmt das Gedenken einen zentralen Platz ein. Es gibt über 300 Gedenkstätten und NS-Dokumentationszentren in Deutschland, die insbesondere für Schüler von Bedeutung sind, um die Gräueltaten des Nationalsozialismus zu lernen. Das Gedenken umfasst nicht nur die systematische Ermordung von sechs Millionen europäischen Juden, sondern auch weitere Opfer wie Sinti, Roma, politische Gegner und Menschen mit Behinderungen, wie DW feststellt.
Die Diskussion um die gegenwärtige Erinnerungskultur zeigt aber auch Herausforderungen auf. Ein Anstieg antisemitischer Übergriffe in Deutschland, insbesondere nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023, verdeutlicht, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit allgegenwärtig bleibt. Prominente Stimmen, wie der Politologin Saba-Nur Cheema, betonen, dass die Zivilgesellschaft eine tragende Rolle in der Gestaltung der Erinnerung spielt. So erfahren Slogans wie „Nie wieder ist jetzt“ unterschiedliche Deutungen im Kontext aktueller globaler Konflikte.
Zusammengefasst verdeutlicht die Gedenkkultur in Waiblingen und darüber hinaus die andauernde Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Lehren, die gezogen werden müssen, um ein Wiederholen von Unrecht zu verhindern. Der Einsatz für Frieden, Demokratie und eine offene Gesellschaft bleibt auch heute mehr denn je eine gemeinsame Verantwortung, die alle Generationen betrifft.