In Alfdorf, einer Stadt im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg, sorgt der geplante Stellenabbau bei ZF Lifetec für besorgte Gesichter. Das Unternehmen, das sich auf passive Sicherheitstechnologien spezialisiert hat, darunter innovative Airbags, plant, etwa zehn Prozent seiner Belegschaft abzubauen. Dies betrifft rund 160 von insgesamt etwa 1.600 Mitarbeitern am Standort. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Mutterkonzerns ZF scheinen nun auch Alfdorf zu erreichen, nachdem die Region zuvor von den Herausforderungen weitgehend verschont blieb. Im Rahmen der Umstrukturierungen kündigte ZF Friedrichshafen an, bis 2028 bis zu 14.000 Arbeitsplätze abzubauen, wobei ein Großteil der Kürzungen die zentrale Antriebseinheit betrifft, die im Konzern verbleibt. ZF Lifetec hat indes eine Förderung des Landes in Höhe von fünf Millionen Euro erhalten, was Fragen zur Auswirkung dieser Unterstützung auf die Unternehmensstrategie aufwirft. Quelle
Die Situation bei ZF Lifetec ist Teil einer größer angelegten Umstrukturierung innerhalb des Unternehmens. Im Jahr 2024 wurde die Sparte Passive Sicherheitstechnik als eigenständige Einheit ausgegliedert, um das Unternehmen unabhängiger von der Muttergesellschaft zu machen. ZF Lifetec plant einen möglichen Investoreneinstieg oder sogar einen Börsengang, um die Abhängigkeit von ZF Friedrichshafen zu verringern. Dies könnte langfristig nicht nur die finanzielle Stabilität des Unternehmens sichern, sondern auch neue Perspektiven für die Beschäftigten bieten.
Wirtschaftliche Herausforderungen und Auswirkungen auf die Branche
Die Automobilindustrie insgesamt sieht sich mit einer Krise konfrontiert, die den größten Stellenabbau seit Jahren mit sich bringt. Laut einer Studie von EY wurden innerhalb eines Jahres rund 51.500 Arbeitsplätze in der Branche gestrichen, was fast sieben Prozent der gesamten Industrie entspricht. In diesem Kontext leidet auch ZF Lifetec unter den Folgen schwacher Nachfrage, Konkurrenz aus China, hohen Energiepreisen und dem Umstieg auf E-Mobilität. Die Zahl der Industriebeschäftigten in Deutschland ist zur Jahresmitte um 114.000 gesunken, während Unternehmen zunehmend Produktion ins Ausland verlagern und auch Forschung und Entwicklung dorthin verlagern. Quelle
Besonders in Baden-Württemberg, dem Herzstück der deutschen Automobilindustrie, ist die Krise spürbar. ZF Lifetec muss sich den Herausforderungen stellen, während die Branche nach neuen Geschäftsfeldern sucht. Einige Unternehmen orientieren sich beispielsweise in Richtung der Rüstungsindustrie, die aufgrund steigender Militärausgaben wächst und theoretisch bis zu 200.000 neue Arbeitsplätze schaffen könnte. Solche Entwicklungen könnten für Beschäftigte in der Automobilbranche neue Perspektiven bieten, auch wenn unklar bleibt, ob die Qualifikationen der Auto-Ingenieure in der Rüstungsindustrie gefragt sind.
Die Zukunft von ZF Lifetec und die Belegschaft
Die Gespräche zwischen ZF Lifetec und dem Betriebsrat über die „potenziellen Veränderungen“ sind bereits im Gange. Ein Überleitungstarifvertrag sowie eine Gesamtbetriebsvereinbarung sollen die deutschen Standorte absichern. Für die Belegschaft ist die Unsicherheit groß, während gleichzeitig die Notwendigkeit von Weiterbildung und Flexibilität im sich wandelnden Arbeitsmarkt immer wichtiger wird. Die Autoindustrie steht an einem Wendepunkt, und wie ZF Lifetec auf diese Herausforderungen reagiert, könnte nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die gesamte Region entscheidend sein. Quelle