In der letzten Zeit hat das Intervallfasten, eine Methode, die sowohl zur Gewichtsreduktion als auch zur Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen propagiert wird, viel Aufmerksamkeit erregt. Jedoch gibt es neue Erkenntnisse, die den Hype um diese Methode in Frage stellen. Laut einer aktuellen Übersichtsarbeit der britischen Organisation Cochrane könnte Intervallfasten weniger effektiv sein als bislang angenommen. Die Analyse, die 22 Studien mit fast 2.000 Teilnehmern aus Nordamerika, Europa, China, Australien und Südamerika berücksichtigte, zeigt, dass der Gewichtsverlust bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas durch Intervallfasten wahrscheinlich nicht über dem anderer Diätformen liegt. [Quelle]

Die Untersuchung hat ergeben, dass Intervallfasten keinen signifikanten Vorteil bei der Gewichtsabnahme im Vergleich zu anderen Methoden vorweist. Zudem konnte keine merkliche Verbesserung der Lebensqualität durch diese Ernährungsform nachgewiesen werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, dass im Jahr 2022 rund 2,5 Milliarden Menschen übergewichtig waren, was 43% der Erwachsenen entspricht. Von diesen waren 890 Millionen Erwachsene adipös, also 16% der Erwachsenen. Auch die Cochrane-Analyse hebt hervor, dass Gewichtsverlust die wichtigste Strategie zur Reduzierung gesundheitlicher Risiken von Übergewicht darstellt.

Die Faktenlage zu Intervallfasten

Die Cochrane-Analyse hat über 18.000 Publikationen durchforstet, jedoch nur 22 Studien für die Analyse ausgewählt, die mindestens vier Wochen dauerten und eine Nachbeobachtungszeit von mindestens sechs Monaten hatten. Die Ergebnisse zeigen kaum nennenswerte Unterschiede in der Gewichtsabnahme oder Lebensqualität im Vergleich zu anderen Diäten. Experten empfehlen, eine persönliche Methode zur Gewichtsreduktion zu wählen, die langfristig durchhaltbar ist. Intervallfasten kann zwar helfen, Menschen mit Übergewicht dazu zu bringen, mehr Gewicht zu verlieren als ohne aktive Ernährungsänderung (durchschnittlich 3-4% über 6-12 Monate), jedoch empfiehlt die klinische Leitlinie einen Gewichtsverlust von mindestens 5% für Übergewichtige. [Quelle]

Die Datenlage bleibt jedoch als sehr unsicher einzustufen. Die meisten Studien hatten eine geringe Probandenzahl, was die Vergleichbarkeit der Ergebnisse einschränkt. Unterschiedliche Varianten des Intervallfastens wurden nicht klar beschrieben, und verschiedene Personengruppen wurden gemeinsam ausgewertet, was die Ergebnisse beeinflussen kann. Die Cochrane-Autoren fordern daher längere Studien über 12 Monate und eine Berücksichtigung verschiedener Bevölkerungsgruppen.

Expertenmeinungen und Ausblick

Die neue Cochrane-Studie hat zu einer kontroversen Diskussion unter Experten geführt. Annette Schürmann vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung äußert Skepsis gegenüber der Studie und bemängelt die fehlende Klarheit. Leonie Heilbronn von der Universität Adelaide sieht methodische Schwächen und kritisiert die Vermischung unterschiedlicher Formen des intermittierenden Fastens. Beide warnen davor, zu pauschale Schlussfolgerungen über die Wirksamkeit des Intervallfastens zu ziehen. Es wird betont, dass moderater Gewichtsverlust gesundheitlich relevant sein kann, auch wenn Intervallfasten keine Wunderlösung darstellt. [Quelle]

Die Diskussion um Intervallfasten wird also weiterhin spannend bleiben. Angesichts der anhaltenden Debatte und der widersprüchlichen Ergebnisse ist es ratsam, sich individuell beraten zu lassen und eine nachhaltige Ernährungsweise zu finden, die den persönlichen Lebensstil unterstützt und gesundheitsfördernd wirkt.