Am 30. September 2025 stehen die Automobilindustrie und ihre Zulieferer in Deutschland vor einer alarmierenden Situation. Aktuelle Berichte zeigen, dass ein massiver Stellenabbau in den größten Unternehmen wie Volkswagen, Mercedes, Bosch, ZF, Porsche, Ford und Audi bevorsteht. Täglich verlieren Hunderte von Beschäftigten ihren Arbeitsplatz, insbesondere in mittelständischen Unternehmen. Die IG Metall, die als größte Gewerkschaft in der Branche mehr als zwei Millionen Mitglieder zählt, äußert tiefes Besorgnis über diese Entwicklung und zieht die Aufmerksamkeit auf die bevorstehenden Herausforderungen in der Branche.

Ein besonders eindringliches Beispiel findet sich im geplanten Abbau von 22.000 Arbeitsplätzen bei Bosch, die im vorangegangenen Jahr ursprünglich auf 9.000 geschätzt worden waren. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) könnten bis Ende 2023 weitere 18.000 Arbeitsplätze verloren gehen, und bis 2030 wird mit einem Totalverlust von 98.000 Arbeitsplätzen gerechnet. Diese Zahlen illustrieren die prekäre Lage, in der sich derzeit 1,2 Millionen Menschen in der Automobilindustrie und ihren Zulieferern befinden.

Prognosen und Auswirkungen

Die Schwierigkeiten, mit denen die Autohersteller konfrontiert sind, sind erheblich. Im ersten Halbjahr 2023 halbierten sich die Gewinne der 19 größten Autobauer um 49,2 % auf nur 42,8 Milliarden Euro. Porsche musste gar vier Gewinnwarnungen herausgeben, während der Börsenwert des Unternehmens seit dem IPO um die Hälfte gesunken ist. Dies alles geschieht in einem Umfeld, in dem die Nachfrage nach emissionsfreien Fahrzeugen ansteigt, jedoch gleichzeitig die Produktionszahlen sinken und ein zunehmender globaler Wettbewerb die Branche destabilisiert.

Die geplanten Arbeitsplatzverluste sind alarmierend. Einige der größten Einschnitte umfassen:

  • Bosch: 22.000 bis 2030
  • Ford Köln: 1.000 Arbeitsplätze verloren, Umstellung auf Einschichtbetrieb
  • Kiekert Heiligenhaus: Insolvenz angemeldet, 700 Beschäftigte betroffen
  • Goodyear Fulda: Werk schließt nach 125 Jahren, 1.050 Beschäftigte betroffen
  • ZF Koblenz: 450 Arbeitsplätze bis 2030
  • MAN Salzgitter: Ungefähre Anzahl von mehreren Hundert Stellen betroffen
  • Weitere Betroffene: Musashi und BorgWarner

Gewerkschaftliche Reaktionen und Forderungen

Die IG Metall steht in der Kritik, weil sie nicht entschieden genug gegen die Bedrohungen für die Beschäftigten vorginge. In einem gemeinsamen Brief mit industriAll Europe warnen die Gewerkschaftsspitzen vor einem „perfekten Sturm“ im europäischen Automobilsektor und fordern dringend Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage nach erschwinglichen emissionsfreien Fahrzeugen. Christiane Benner, die Erste Vorsitzende der IG Metall, sowie Judith Kirton-Darling, Generalsekretärin von industriAll, betonen die Notwendigkeit einer gerechten Transformation in der Industriepolitik, um sowohl die Klimaziele zu erreichen als auch den sozialen Schutz der Beschäftigten zu gewährleisten.

„Die Zeit der Diagnose ist vorbei; es sind mutige, konkrete Entscheidungen erforderlich, um die industrielle Basis Europas zu sichern,“ so die Gewerkschafterinnen. Sie fordern eine Stärkung der Verbindung zwischen Klimazielen und Industriepolitik, um sowohl die Forderungen des Marktes zu erfüllen als auch die sichere Zukunft von 13 Millionen Beschäftigten in der Branche zu gewährleisten.

Die gegenwärtige Situation erfordert umfassende Maßnahmen und ein Umdenken in der Industrie. Die Aufrufe zur Bildung unabhängiger Aktionskomitees zur Verteidigung der Arbeitsplätze sind lauter denn je. Angesichts der besorgniserregenden Prognosen müssen sowohl Arbeitgeber als auch politische Entscheidungsträger handeln, um eine tragfähige Zukunft für die Automobilindustrie in Deutschland zu sichern.

Für detailliertere Informationen über die aktuellen Entwicklungen in der Automobilbranche können interessierte Leser die Berichterstattung von WSWS sowie die Stellungnahmen der IG Metall konsultieren.