In Kempten reagieren die Verkehrsbetriebe auf Herausforderungen und Bedürfnisse der Bevölkerung nach der Umstellung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Mitte Dezember 2025 nahmen die Kemptener Verkehrsbetriebe (KVB) Anpassungen am neuen Bussystem vor. Diese Änderungen basieren sowohl auf Beobachtungen des Fahrpersonals als auch auf Anregungen der Fahrgäste, die in den ersten Monaten mit dem neuen System gesammelt wurden. Besonders aus der Altstadt, vor allem vom Alter Holzplatz und der Keselstraße, kamen zahlreiche Anfragen zur Anbindung. Viele Bürger*innen empfinden diese als schlechter im Vergleich zur Testphase, was KVB-Geschäftsführer Thomas Kappler teilweise bestätigte. Außerdem betonte Kappler, dass es triftige Gründe für die Änderungen gebe, die aus den Erfahrungen der vergangenen Monate resultieren.
Das neue ÖPNV-System wurde am 8. September 2025 eingeführt und brachte eine Vielzahl an Veränderungen mit sich. Mit der Einführung von neun neuen Buslinien im Stadtgebiet wurden auch die bestehenden Buslinien von 14 auf 11 reduziert. Ein zentraler Umsteigepunkt in der Innenstadt, das „Zentrum“ (ZUM), bietet zahlreiche Anbindungen, während sich die Hauptumsteigepunkte nun am Hofgarten und am Kempten Hauptbahnhof befinden. Diese beiden Knotenpunkte ermöglichen eine verbesserte Taktung und stärkere Abstimmung zwischen den verschiedenen Linien.
Geplante Verbesserungen und Umstiege
Die Taktung der Stadtbuslinien erfolgt nun im „Rendezvous-System“, wonach Busse halbstündlich fahren. Dabei beträgt der durchschnittliche Takt zwischen den Stadtbuslinien lediglich 5,5 Minuten. Insbesondere werden die Verstärkungen der Anschlüsse und die Reduzierung von Umstiegen an einem Ort hervorgehoben. Einige Stadtteile profitieren nun von einem 15-Minuten-Takt. Allerdings müssen Pendler im Zeitraum bis 2027 auf eine endgültige Lösung für den Umsteigepunkt Nord am Hofgarten warten; momentan erfolgt die Abwicklung über die interimistische ZUM mit reduzierten Haltepunkten. Der Hauptbahnhof bleibt unverändert als Umsteigepunkt für Schienenverkehr und regionale Buslinien wichtig.
Ein weiteres Highlight war die Eröffnungsfeier des neuen ÖPNV am 17. September 2025, die eine positive Resonanz bei den Anwohnern fand. Um die Bürger*innen weiterhin über die Neuerungen zu informieren, organisierten die KVB und KKU am 22. September 2025 einen Infostand in der Bahnhofstraße. Dort konnten Interessierte sich über das neue System informieren und kostenloses Trinkwasser entnehmen.
ÖPNV im Kontext der Verkehrswende
Die Veränderungen im Kemptener ÖPNV stehen im Kontext einer breiteren Verkehrswende in Deutschland. Diese zielt darauf ab, den Anteil von Bahnen und Bussen im Nah- und Fernverkehr zu erhöhen, um Emissionen zu reduzieren und die Aufenthaltsqualität in den Städten zu verbessern. Im Jahr 2024 nutzten bereits rund 30% der Berufstätigen den öffentlichen Nahverkehr für ihren Arbeitsweg. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, die Fahrgastzahlen im ÖPNV bis 2030 zu erhöhen, hat jedoch noch kein konkretes Ziel definiert. Trotz der Herausforderungen im Schienenpersonenverkehr, wo der Anteil am Gesamtverkehr nur rund 10% betrug, verzeichnete der ÖPNV in den vergangenen Jahren einen Anstieg der Nutzerzahlen, insbesondere mit dem Deutschlandticket, das 2023 eingeführt wurde.
Die Situation in Kempten verdeutlicht einmal mehr, wie entscheidend Anpassungen an den ÖPNV sind, um den Bedürfnissen der Bürger*innen gerecht zu werden und die angestrebte Verkehrswende zu unterstützen. Angesichts der teilweise eingeschränkten Anbindungen bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Strukturen in der Praxis bewähren.