Eine bemerkenswerte Entdeckung in Erligheim im Kreis Ludwigsburg hat die Naturforschergemeinde aufhorchen lassen: Ute und Steffen Hammel fanden am 15. Juni 2025 einen Eichen-Buntkäfer (Clerus mutillarius), eine Art, die seit über hundert Jahren nicht mehr in Württemberg beobachtet wurde. Der Käferspezialist Arnaud Faille vom Naturkundemuseum Stuttgart bezeichnete den Fund als einzigartig und bemerkenswert, da der Käfer nachdem er zuvor als ausgestorben betrachtet wurde, nun wieder aufgetaucht ist.
Der Eichen-Buntkäfer, der etwa zwei Zentimeter misst und auf einem Brennholzstapel am Waldrand entdeckt wurde, gilt als Nützling, da er schädliche Käfer vertilgt. Normalerweise lebt er in alten, lichten Eichenwäldern. Interessanterweise bleibt es unklar, ob es sich bei dem Fund um einen Einzelfall handelt oder ob sich die Art tatsächlich in der Region ansiedeln wird. Steffen Hammel, der den Käfer nach intensiver Internetrecherche und Konsultation von Fachliteratur identifizieren konnte, plant, das Gebiet bei wärmerem Wetter weiter zu erkunden. Der Fundort liegt rund 120 Meter außerhalb des Waldes, was nicht ungewöhnlich ist, da der Eichen-Buntkäfer andere Käfer jagt.
Der Eichen-Buntkäfer im Detail
Der Eichen-Buntkäfer gehört zur Familie der Buntkäfer und wird in der Roten Liste Deutschlands als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. In einigen Ländern gilt er sogar als ausgestorben. In der Bundesartenschutzverordnung wird er als „streng geschützter“ und „besonders geschützter“ Käfer gelistet. Der Gattungsname „Clerus“ verweist auf eine altgriechische Wurzel und bleibt heute nur durch die Art Clerus mutillarius vertreten. Früher war der Käfer in Mitteleuropa weit verbreitet, heute ist er in Deutschland selten bis sehr selten.
Die Lebensweise dieser Käferart ist räuberisch, und sowohl die adulten Käfer als auch die Larven leben von anderen Insekten. Die adulte Phase findet zwischen Mai und August statt, wobei die Käfer flink sind, oft unbeweglich verharren und gerne fliegen. Zu finden sind sie typischerweise an geschlagenen Eichen oder in von Insekten zerfressenem Holz.
Herausforderungen für die Biodiversität
Trotz dieser positiven Entdeckung steht die Region vor massiven Herausforderungen bezüglich der biologischen Vielfalt. Franziska Schuster vom Landratsamt Ludwigsburg zufolge lässt sich aus einem Einzelfund keine generelle Rückschlüsse auf die Artenvielfalt ziehen. Der dramatische Artenschwund hält unvermindert an, was teilweise auf die Biodiversitätskrise zurückzuführen ist. Diese Krise äußert sich im Verlust der natürlichen biologischen Vielfalt, was sowohl natürliche als auch menschlich geschaffene Ökosysteme betrifft.
Der Erhalt der Biodiversität ist entscheidend für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und die Sicherstellung von Ökosystemleistungen wie Bestäubung und Bodenfruchtbarkeit. Landwirtschaft und Forstwirtschaft sind stark auf diese Vielfalt angewiesen, und verschiedene Maßnahmen, wie die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) und das Aktionsprogramm Insektenschutz (API), wurden eingeführt, um die Lebensbedingungen für Insekten und andere Organismen zu verbessern.
Die Entdeckung des Eichen-Buntkäfers könnte als ermutigendes Zeichen inmitten der Herausforderungen interpretiert werden, die die Artenvielfalt betreffen. Dennoch bleibt abzuwarten, ob es der Art gelingen kann, sich in der Region dauerhaft zu etablieren, während gleichzeitig die Anstrengungen zum Schutz der biologischen Vielfalt fortgesetzt werden müssen.