Am 8. Oktober 2025 fand in Bietigheim-Bissingen eine bemerkenswerte Lesung des Autors Bjerg statt, die die Gäste mit seinem besonderen Humor in den Bann zog. Bjerg, dessen Buch schwierige Themen mit einer Prise Humor behandelt, sprach unter anderem über seine persönlichen Erfahrungen mit psychischen Krisen und den Auswirkungen von Selbstmordversuchen im Freundeskreis. Moderatorin Braun lobte nicht nur den einzigartigen Umgang des Autors mit traurigen Themen, sondern auch die Fähigkeit, das Publikum zum Lachen zu bringen, während gleichzeitig tiefere emotionale Themen behandelt wurden. Ein besonderer Moment war die Passage über einen Besuch in der Psychiatrie, der die Zuhörer tief berührte und aufschlussreiche Einblicke in die Problematik gab.
Besonders interessant war die Diskussion, die sich im Anschluss an die Lesung entspann, in der unter anderem Aspekte der Geschichte Bietigheim-Bissingens und die Wehrdienstverweigerung angesprochen wurden. Bjergs Protagonisten, die auf realen Vorbildern basieren, verdeutlichen die Herausforderungen und den Mut, die Menschen in schwierigen Zeiten aufbringen mussten. Die reale „Vera“, die im Buch erwähnt wird, bestätigte die Authentizität ihrer Darstellung – ein Zeichen dafür, wie sehr persönliche Erfahrungen in Bjergs Arbeiten einfließen.
Der Kontext der Kriegsdienstverweigerung in Deutschland
Die Themen, die in Bjergs Lesung angeschnitten wurden, finden ihren historischen Kontext in der Entwicklung der Kriegsdienstverweigerung in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1949 das Recht auf individuelle Kriegsdienstverweigerung in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen, welches festlegt, dass „Niemand gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden darf“ (Wikipedia). Damit wurde Deutschland der erste Staat, der diesem Recht Verfassungsrang einräumte. In den ersten Jahren nach dem Krieg war das Grundgefühl „Nie wieder Krieg!“ stark verbreitet, was sich auch in den politischen Debatten zeigte.
Die Überarbeitung der Wehrpflicht und die Einführung des Zivildienstes in den 1960er Jahren ermöglichen es Kriegsdienstverweigerern, einen zivilen Ersatzdienst zu leisten, was ein bedeutender Schritt in der Anerkennung von pacifistischen Haltungen war. Diese gesellschaftlichen Entwicklungen führten dazu, dass die Anzahl der Kriegsdienstverweigerer insbesondere während des Vietnamkriegs und des Kalten Krieges anstieg. Im Jahr 1983 wurden 66.334 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gestellt, was etwa zehn Prozent eines Musterungsjahrgangs entsprach (Wikipedia).
Mit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 blieb das Recht auf Kriegsdienstverweigerung bestehen, jedoch ohne die Verpflichtung, einen Zivildienst in Friedenszeiten abzuleisten. Dies öffnete die Tür für neue Formen des freiwilligen Dienstes, wie den Bundesfreiwilligendienst. Die statische Entwicklung der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung zeigt einen kontinuierlichen Anstieg, der seit 1958 auf über 4,2 Millionen Anträge angewachsen ist.
Die Lesung von Bjerg und die darauf folgenden Gespräche ermutigten die Anwesenden dazu, über die Vielfalt der menschlichen Erfahrungen nachzudenken und zeigten, wie tief verwurzelt die Themen Krieg, Frieden und individuelles Gewissen in der deutschen Geschichte sind. Veranstaltungen wie diese bieten nicht nur einen unterhaltsamen Abend, sondern auch einen wertvollen Raum für Reflexion und Diskussion über gesellschaftlich relevante Themen.