In Bietigheim-Bissingen wird auf eine lange Geschichte des Schwimmsports im Hallenbad von Bissingen zurückgeblickt. Der Bau des Hallenbades, dessen Baugesuch bereits im August 1974 eingereicht wurde, wurde von Bürgermeister Hermann Silcher als Meilenstein für die Gemeinde hervorgehoben. Die Einweihung fand nach 15-monatiger Bauzeit am 12. März 1976 statt, und das Projekt kostete rund 3,7 Millionen Mark. Ziel war es, ein einfaches Bad zu schaffen, das der gesamten Bevölkerung zur Verfügung steht, insbesondere im Kontext des Zusammenschlusses mit Bietigheim.
In einer jüngsten Entscheidung wurde bekannt, dass die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen im Mai 2025 die öffentlichen Badezeiten im Hallenbad aufgrund hoher Betriebskosten aussetzten. Die jährlichen Betriebskosten belaufen sich auf etwa 600.000 Euro, während die Erlöse aus öffentlichen Schwimmzeiten lediglich 20.000 Euro betragen. Trotz einer Petition mit über 500 Unterzeichnern, die eine Rückkehr zu öffentlichen Badezeiten forderte, gibt es derzeit nur begrenzte öffentliche Zugangsmöglichkeiten. Aktuell sind die Wasserzeiten vor allem für Schulen und Vereine reserviert, was zu wenig freien Kapazitäten geführt hat, so Bäderleiter Thilo Dittmann.
Finanzielle Herausforderungen für Schwimmbäder
Die Entscheidung zum Wegfall der öffentlichen Badezeiten ist Teil eines größeren Trends, den viele Kommunen in Deutschland beobachten. Viele Schwimmbäder müssen aufgrund steigender Kosten schließen oder ihre Öffnungszeiten einschränken. Wie baeder-swbb.de berichtet, sind die laufenden Betriebskosten in Bissingen ein ernsthaftes Problem, das nicht allein durch Einnahmen aus Eintrittsgeldern gedeckt werden kann. Die Diskussion über finanzielle Engpässe von Bädern beleuchtet die Sorgen um die Schwimminfrastruktur in Deutschland.
Anhand jüngster Statistiken wird deutlich, dass in den letzten 25 Jahren die Anzahl der Schwimmbäder in Deutschland von etwa 7.800 auf circa 6.000 gesunken ist. ZDF hebt hervor, dass über die Hälfte dieser Bäder sanierungsbedürftig ist. Die DLRG warnt davor, dass ohne neue Investitionen in den nächsten drei Jahren etwa 800 Schwimmbäder schließen könnten, was gravierende Folgen für die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung haben könnte.
Politische Reaktionen und Maßnahmen
Die Notwendigkeit zur Verbesserung der Schwimminfrastruktur hat auch politischen Druck erzeugt. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht mindestens eine Milliarde Euro zur Modernisierung der Sportinfrastruktur vor. Es gibt allerdings noch Unsicherheiten hinsichtlich der Verteilung und des Einsatzes dieser Mittel. Sowohl die Grünen als auch die Linke fordern bedeutende finanzielle Unterstützung für die Schwimmbäder, wobei letztere die Bereitstellung von mindestens einer Milliarde Euro jährlich einfordert. Interessanterweise hat die AfD einen „Goldenen Plan Sportstätten“ mit einem Volumen von 40 Milliarden Euro vorgeschlagen.
In Bietigheim-Bissingen steht das Hallenbad nun vor der Herausforderung, den Betrieb auf Kostenminimierung auszurichten, während es gleichzeitig den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden möchte. Die eingeschränkten Schwimmzeiten haben bereits Auswirkungen auf Schulen und Vereine, die auf die Wasserzeiten angewiesen sind. Der Druck auf die Schwimminfrastruktur wird in den kommenden Jahren voraussichtlich zunehmen.