Die Gemeinde Gemmrigheim steht vor einschneidenden Veränderungen. In einem aktuellen Jahresgespräch betonte Bürgermeister Frauhammer, dass das Jahr 2023 als das „Jahr des Wartens“ bezeichnet werden kann, und auch 2024 sowie 2025 einem ähnlichen Muster folgen werden. Ein zentraler Punkt des Gesprächs war der seit einem Jahr bei einer Behörde liegende Antrag auf barrierefreie Bushaltestellen, der bisher ohne Fortschritt geblieben ist. Auf Nachfrage konnte die zuständige Behörde nicht auskunft geben, wo sich der Antrag genau befindet. Diese Hürde stellt ein großes Hindernis für die barrierefreie Mobilität in der Gemeinde dar.

In Deutschland ist nach dem Personenbeförderungsgesetz jeder Anbieter gesetzlich verpflichtet, seine Haltestellen bis zum 1. Januar 2022 barrierefrei zu gestalten, sofern keine Ausnahmen in der Nahverkehrsplanung bestehen. Dennoch zeigen aktuelle Beobachtungen bewusste Defizite in der Umsetzung. In Frankfurt am Main, zum Beispiel, sind von insgesamt 1.350 Haltestellen nur 760 barrierefrei umgebaut worden. Die Stadt investiert jährlich etwa 3,5 Millionen Euro in den Umbau von Haltestellen, was deutlich macht, wie wichtig diese Maßnahmen sind. Über die Barrierefreiheit hinaus wird auch empfohlen, betroffene Personen in den Planungsprozess einzubeziehen, um künftige Anpassungen zu vermeiden und die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen.

Fortschritte trotz Herausforderungen

Trotz der Schwierigkeiten in Bezug auf die Bushaltestellen gibt es positive Entwicklungen in der Gemeinde. Der Anspruch auf Kinderbetreuung wurde erfüllt, und das Krisenmanagement der Gemeinde wurde als „prima“ bezeichnet. Auch die Unterbringung von Flüchtlingen funktioniert gut, was für die Gemeinde von großer Bedeutung ist.

Frauhammer hat sich darüber hinaus für die bevorstehenden Wahlen im April ausgesprochen und wünscht sich „gute Bewerber und einen fairen Wahlkampf“. In Bezug auf die bereits bestehenden Herausforderungen hofft er auf Fortschritte bei den Kompensationszahlungen für das atomare Zwischenlager, welches in der Gemeinde existiert. Zudem wird im zweiten Quartal 2026 eine Untersuchung für die Schulsanierung eingeplant. Der Nachfolger von Frauhammer wird vor der Herausforderung stehen, die mit der Sanierung verbundenen Kosten zu bewältigen und den Status des Schulgebäudes als Kulturdenkmal zu berücksichtigen.

Bundesinitiative Barrierefreiheit

Die Bundesregierung hat sich ebenfalls intensiv mit dem Abbau von Barrieren beschäftigt. Im November 2022 wurde ein Kabinettsbeschluss gefasst, der den Abbau von Barrieren als ressort- und ebenenübergreifende Aufgabe festlegt. Diese Bundesinitiative, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales koordiniert wird, hat das Ziel, Menschen mit Behinderungen ihre Rechte auf uneingeschränkte Teilhabe an allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit konnten seit dem Start der Initiative bereits umgesetzt werden, was die Zusammenarbeit zwischen Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden stärkt.

Mit all diesen Herausforderungen und Fortschritten denkt Frauhammer bereits über seine eigene Zukunft nach. Er ist unsicher, wie es ab Juli 2024 für ihn weitergehen wird, plant jedoch, sich um sich selbst zu kümmern und mit einem klaren Fokus auf die Bedürfnisse der Gemeinde fortzufahren.

Für weitere Informationen rund um den barrierefreien Ausbau von Haltestellen finden Sie hier: kommunal.de und zur Bundesinitiative: BMAS.

Für Details zu den aktuellen Entwicklungen in Gemmrigheim lesen Sie bitte auch: Bietigheimer Zeitung.