Der Trachtenverein Bietigheim steht anlässlich seines 75-jährigen Bestehens sowohl vor großen Herausforderungen als auch einem reichhaltigen Veranstaltungskalender. Der Verein wurde 1951 als Bayern- und Heimatverein Enzian gegründet und pflegt bis heute traditionelle Brauchtümer, wie Schuhplatteln, Volkstänze und die bayrische Blasmusik. Der Vorsitzende Gunter Dlabal, der seit 1995 im Amt ist, hebt die Bedeutung der Traditionspflege hervor. Er plant, den Verein auch im Jubiläumsjahr zu leiten, doch wie es danach weitergeht, ist unklar.

Die vergangenen Jahre waren geprägt von Rückschlägen. So wurde das Vereinsheim bereits 2017 an die Stadt verkauft und abgerissen, da eine Sanierung aufgrund der hohen Kosten von 300.000 bis 350.000 Euro als nicht machbar erachtet wurde. Auch die Pandemie in 2020 hatte negative Auswirkungen; während der Lockdowns blieben die Mieteinnahmen aus und der Verein musste auf viele Aktivitäten verzichten.

Feierlichkeiten und Zukunftsperspektiven

Im Rahmen der Jubiläumsaktivitäten lädt der Trachtenverein am 15. Februar zu einem Festakt im Hans-Georg-Pflüger-Saal der Musikschule ein. Darüber hinaus wurde ein Seniorennachmittag am 25. Januar organisiert, bei dem über 100 Senioren aus Bietigheim-Bissingen und befreundeten Vereinen zusammenkamen. Diese Tradition wurde bereits 1976 ins Leben gerufen, um Senioren rund um das Dreikönigsfest einzuladen.

Der Verein hat derzeit rund 70 Mitglieder, eine Zahl, die in Spitzenzeiten während der Landesgartenschau auf knapp 200 anwuchs. Die coronabedingte Pause im Tanzen und Singen verringerte die Zahlen jedoch erheblich. Besonders herausfordernd sind die Jugendarbeit und die Gewinnung neuer Mitglieder, da viele Jugendliche zum Studium oder zur Ausbildung wegziehen. Dennoch schreitet die positive Entwicklung der Einstellung zu Trachten voran; Trachtenvereine werden mittlerweile besser akzeptiert, was Hoffnung auf eine Stabilisierung der Mitgliederzahlen gibt.

Tradiertes Handwerk und Gemeinschaftsgeist

Eine Besonderheit des Trachtenvereins ist die detailgetreue Nachbildung der Trachten, die in Handarbeit gefertigt werden. Die Mitglieder engagieren sich dabei, alte Fotos und Trachten aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg zu recherchieren. Bei den wöchentlichen Proben tragen die Mitglieder meist Jeans und T-Shirts, da die Trachten für besondere Anlässe gedacht sind. In der Hochsaison im Herbst führt der Verein zahlreiche Auftritte, unter anderem beim Cannstatter Wasen und anderen Heimatfesten, durch.

Der Verein wird als Familienverein beschrieben, in dem alle Generationen vertreten sind. Dennoch wirft der Mangel an Verantwortlichen für bestimmte Posten Fragen zur Zukunft auf. „Helfer für unsere Projekte zu finden, ist nicht das Hauptproblem. Die Besetzung von Posten stellt sich als viel schwieriger heraus“, äußert Dlabal. Der Verein sieht sich, ähnlich wie viele andere gemeinnützige Organisationen in Deutschland, mit dem zunehmenden Druck konfrontiert, Ressourcen zu finden und neue engagierte Mitglieder zu gewinnen, während das Gemeinschaftsgefühl sowie die Bereitschaft zur Mitwirkung nachlassen.

Der Blick in die Zukunft bleibt dennoch positiv. Schon bald plant der Trachtenverein eine Reise zur Europeade in Bergamo, zu der 5.000 Teilnehmer aus 25 Nationen erwartet werden. Die Einladung zum Volksfest im badischen Bietigheim ist ebenfalls bereits eingetroffen, was neue Gelegenheiten zur Präsentation der Traditionen verspricht. Trotz der Herausforderungen blickt der Trachtenverein optimistisch auf die kommenden Monate.