Ein 26-jähriger Mann aus Leutkirch im Allgäu wurde jüngst wegen der Verstümmelung der Geschlechtsorgane seiner Freundin verurteilt. Das Ravensburger Landgericht entschied, dass die Frau auf eigenen Wunsch gehandelt habe, jedoch aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht einwilligungsfähig war. Die erschütternden Details des Vorfalls wurden nun der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Tat ereignete sich im Herbst 2021 in der Wohnung des Angeklagten, wo er die Frau nackt ans Bett fesselte und betäubte. Teile der Klitoris und der Schamlippen wurden mit Rasierklingen abgetrennt, was gravierende und langfristige körperliche und seelische Folgen für die Frau hatte, die bis heute unter Schmerzen im Genitalbereich leidet. Das Gericht sprach ihr ein Schmerzensgeld von 8000 Euro zu.

Zusätzlich zu den schweren Vorwürfen der Genitalverstümmelung belasteten weitere Straftaten das Verfahren. Der Angeklagte, ein Fachinformatiker, wurde nicht nur wegen dieser Tat verurteilt, sondern hatte auch mit Drogenhandel, Geldfälschung und Diebstählen zu kämpfen. Er erhielt eine Gesamtstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung und muss zusätzlich 2000 Euro an die Organisation TERRE DES FEMMES zahlen, die sich aktiv gegen weibliche Genitalverstümmelung engagiert.

Hintergrund zur weiblichen Genitalverstümmelung

Die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) ist in vielen Kulturen verwurzelt und betrifft weltweit mehr als 200 Millionen Frauen und Mädchen. Schätzungen zufolge sind in Deutschland zwischen 2.785 und 14.752 Mädchen von FGM bedroht, wobei die Zahl seit 2017 signifikant angestiegen ist. Besonders gefährdet sind Mädchen mit Wurzeln in Somalia, Eritrea, Ägypten, Nigeria und dem Irak, wie die Bundesregierung berichtet. Es gibt vier definierte Formen von FGM, die von der WHO klassifiziert werden, darunter Klitoridektomie und Exzision.

Terre des Femmes, ein Verein, der sich für die Rechte von Frauen einsetzt, bietet verschiedene Materialien zur Aufklärung über weibliche Genitalverstümmelung an. Dieser Informationsbedarf ist umso dringlicher, denn FGM kann zu schweren körperlichen und psychischen Schäden führen. Mit dem Aufstieg der Dunkelziffer von FGM-Betroffenen in Deutschland ist ein umfassendes Verständnis und Prävention essenziell. Die Organisation hat spezielle Broschüren und Handlungsempfehlungen entwickelt, um Institutionen, Fachkräfte und Betroffene zu unterstützen.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Unterstützung

Der rechtliche Rahmen gegen FGM in Deutschland ist klar definiert. Nach § 226a des deutschen Strafgesetzbuches wird die Verstümmelung weiblicher Genitalien als Verbrechen betrachtet. Auch im Asylverfahrensgesetz ist FGM als geschlechtsspezifische Verfolgung anerkannt, was den Schutz gefährdeter Mädchen und Frauen dringlicher macht. Die Bundesregierung hat seit vielen Jahren Initiativen zur Bekämpfung von FGM ins Leben gerufen, und Unterstützung für Betroffene ist über das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 08000 116 016 erreichbar.

Während der Gerichtsprozess größtenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, bleibt das Urteil gegen den Angeklagten noch rechtskräftig. Er verzichtete auf ein Rechtsmittel, obwohl seine Verteidigung auf Freispruch plädierte. Der Fall hat die Diskussion über FGM und den Schutz von Frauen vor sexueller Gewalt neu entfacht und verdeutlicht, wie wichtig Aufklärung und Unterstützung sind, um solche Verbrechen in Zukunft zu verhindern.