Im Hohenlohekreis wird der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) zunehmend ausgebaut, um die Mobilität der Bürger:innen zu verbessern. Die Regiobuslinie 7, die zwischen Künzelsau und dem Bahnhof Waldenburg verkehrt, ersetzt eine fehlende Schienenverbindung und ist eine wichtige Anlaufstelle für die Anwohner. Diese Linie fährt von früh morgens bis spät abends im Stunden- und Halbstundentakt und erfreut sich großer Beliebtheit. Die grün-schwarze Landesregierung hatte nach der Wahl 2021 das Ziel, den Nahverkehr im ländlichen Raum zu stärken. Doch die Mobilitätsgarantie für alle Orte in Baden-Württemberg scheiterte, und auch der geplante Mobilitätspass ist nur schwer umsetzbar. Trotz dieser Rückschläge wurden die Regiobuslinien 7 und 19 bis Ende 2029 verlängert, während die Regiobuslinie 11 bis 2031 aufgewertet wird.

Die Fahrgastzahlen auf den drei Buslinien sind gestiegen, auch wenn der finanzielle Anteil des Kreises gering bleibt. Maßnahmen wie der Rufbus im Großraum Öhringen, der seit 2023 im Testbetrieb bis 2028 läuft, sowie die Aufhebung der Betriebsruhe zwischen Schülerfahrten zeigen, dass der Nahverkehr im ländlichen Raum ernsthaft gefördert wird. Dennoch bleibt der Nahverkehr ein Verlustgeschäft, das den Kreis jährlich etwa fünf Millionen Euro kostet. Die Umsetzung der Mobilitätsgarantie, die ursprünglich bis 2026 im Koalitionsvertrag verankert war, wurde aufgrund geopolitischer Ereignisse und Fachkräftemangel auf 2030 verschoben. Diese Garantie soll für alle Bürger:innen von 5 bis 24 Uhr gelten und mindestens stündliche Erreichbarkeit bieten.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Die unterschiedlichen Standards für Stadt und Land stellen eine große Herausforderung dar. Während in Ballungsräumen mindestens alle 30 Minuten und während der Hauptverkehrszeit sogar alle 15 Minuten gefahren werden soll, ist in ländlichen Regionen ein mindestens stündlicher Takt vorgesehen. Dies ist insbesondere für die Anwohner in Gemeinden ohne Bahnanschluss von Bedeutung. Das Verkehrsministerium arbeitet aktiv an der Entwicklung dieser Mobilitätsgarantie und hat mit 21 Modellkommunen genauere Standards definiert, um eine Kostenprognose zu erstellen.

Es ist zudem notwendig, dass die Mobilitätsknoten, die im Koalitionsvertrag 2021 erwähnt wurden, endlich umgesetzt werden. Grüne Landtagsabgeordnete wie Catherine Kern setzen sich für den Mobilitätspass ein, der Autofahrer zur Finanzierung des ÖPNV heranziehen soll, während das Landratsamt skeptisch bleibt und auf die momentanen Herausforderungen verweist. Selbstfahrende Busse könnten die Effizienz des Nahverkehrs erhöhen, erfordern jedoch eine umfassende Umstrukturierung des bestehenden Systems.

Vergleich und Inspiration aus anderen Regionen

Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass in Ländern wie der Schweiz und Österreich bereits Standards für den Bus- und Bahnverkehr festgelegt wurden. In Österreich beispielsweise wird in Orten ab 5.000 Einwohnern eine Anbindung im Stundentakt garantiert. Auch die Schweiz bietet ein besseres Verkehrsangebot als Deutschland und erweitert kontinuierlich ihr Netz. Diese Modelle könnten als Inspiration für die zukünftige Entwicklung des ÖPNV in Baden-Württemberg dienen.

Das Ziel bleibt klar: eine bundesweite Mobilitätsgarantie im öffentlichen Verkehr zu schaffen, die es rund 27 Millionen Menschen in Deutschland ermöglichen soll, Zugang zum ÖPNV zu haben. Die Kriterien für eine qualitativ hochwertige Mobilität beinhalten Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Information, Zeit und Komfort. Die Analyse von Agora Verkehrswende zeigt, dass häufigere Fahrten zu einer höheren Nutzung des ÖPNV führen können. Um den Herausforderungen des ÖPNV zu begegnen, werden in den kommenden Monaten weitere Empfehlungen erwartet, die die Mobilität in Deutschland nachhaltig verbessern sollen.

Für alle, die tiefer in die Materie eintauchen möchten, bietet die Webinar-Reihe „Kommt nach dem Deutschlandticket die Mobilitätsgarantie?“ spannende Einblicke in die zukünftige Entwicklung des Nahverkehrs. Die ersten Teile finden am 20. September, 10. Oktober und 7. November statt. Weitere Informationen können auf der Webseite von Agora Verkehrswende nachgelesen werden.