Die bevorstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 wirft bereits ihre Schatten voraus. Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von NABU und BUND zeigt, dass Natur- und Umweltschutz für 56 Prozent der Befragten eine große bis sehr große Rolle bei ihrer Wahlentscheidung spielt. Nur 14 Prozent der Befragten geben an, dass diese Themen für sie keine Bedeutung haben. Damit wird deutlich, dass der Umweltschutz ein zentrales Anliegen der Wählerinnen und Wähler ist, was auch in der politischen Agenda der Parteien reflektiert wird. Die Umfrageergebnisse basieren auf 1.010 Befragten ab 18 Jahren und wurden zwischen dem 15. Januar und dem 5. Februar 2026 erhoben, mit einer statistischen Fehlertoleranz von +/- 3 Prozentpunkten. Im Vergleich zur Umfrage von 2016, in der 58 Prozent der Befragten angaben, dass der Natur- und Umweltschutz für sie eine große oder sehr große Rolle spielt, zeigt sich eine konstant hohe Bedeutung dieser Themen.

Die Umfrage ergibt zudem interessante Einblicke in die Haltung der Wähler zu Einschränkungen im Umwelt- und Naturschutz: 64 Prozent lehnen diese zugunsten des Wirtschaftswachstums ab. Besonders jüngere Menschen und Stadtbewohner zeigen sich hier als vehemente Gegner solcher Einschnitte. Fast 80 Prozent der Anhänger von SPD, Linken und Grünen sprechen sich gegen Einschnitte im Umwelt- und Naturschutz aus, während 57 Prozent der CDU-Anhänger ebenfalls diese Ansicht vertreten. Bei den Anhängern der AfD hingegen gibt es mit 51 Prozent eine knappe Mehrheit, die Einschnitte befürwortet. Die Umweltverbände NABU und BUND fordern daher verstärkt mehr Natur- und Umweltschutz, auch in Krisenzeiten, und haben bereits eine Petition gegen den erleichterten Abschuss von Bibern mit über 4.600 Unterschriften initiiert.

Politik und Umweltschutz im Fokus

Die Wahl wird entscheidend darüber befinden, welchen politischen Kurs die Bürgerinnen und Bürger in den kommenden fünf Jahren einschlagen möchten. Zentrale Themen sind der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, nachhaltige Ressourcennutzung, der Erhalt der Artenvielfalt sowie der Klimaschutz. Fünf Parteien – Grüne, CDU, SPD, FDP und Die Linke – wurden zu zwölf Fragen bezüglich Natur- und Klimaschutz befragt, während die AfD aufgrund ihrer antidemokratischen Positionen nicht zur Befragung eingeladen wurde. Alle Parteien unterstützen die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, obwohl CDU und FDP zuvor die Abschaffung dieser Verordnung gefordert hatten.

Im Bereich des Klimaschutzes befürworten Grüne, SPD und Die Linke ein Tempolimit, während CDU und FDP dagegen sind. Verkehrsexperten haben bestätigt, dass ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen signifikante CO₂-Emissionen reduzieren könnte. Zudem setzen sich Grüne und Die Linke für die Umsetzung der Netto-Null beim Flächenverbrauch ein, was von SPD und FDP abgelehnt wird. Die CDU spricht sich gegen eine starre Netto-Null aus, will jedoch sparsamer mit Flächen umgehen. Umweltverbände haben bereits 2024 einen Volksantrag zur Netto-Null beim Flächenverbrauch eingebracht, was die Dringlichkeit des Themas unterstreicht.

Forderungen für ein zukunftsfähiges Baden-Württemberg

NABU und BUND haben einen umfassenden Forderungskatalog mit zehn zentralen Bereichen für ein zukunftsfähiges Baden-Württemberg erstellt. Zu den Forderungen zählen unter anderem die Umsetzung des Biodiversitätsstärkungsgesetzes, die Reduktion von Pestiziden sowie der Ausbau des Ökolandbaus und die Renaturierung von 30 Prozent der Ökosysteme. Zudem wird die Festlegung eines CO₂-Restbudgets und die Verpflichtung zur Erstellung von Klimaanpassungskonzepten angestrebt. In einem virtuellen naturschutzpolitischen Frühstück am 1. März 2026 können Interessierte mit Vertretern der fünf Parteien diskutieren, während ein Diskussionsabend am 21. Februar 2026 speziell für Jugendliche zur umweltpolitischen Sicht der Kandidatinnen angeboten wird.

Zusätzlich zur politischen Diskussion wird die KlimalisteBW konkrete Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in Baden-Württemberg bis 2035 auf „Netto-Null“ planen. Dies bedeutet, dass alle emittierten Treibhausgase im selben Jahr wieder gebunden werden müssen. Mit einem wirksamen CO2-Preis, einer Rückholprämie für CO2-Rückholung und einem jährlichen Klimageld für alle Einwohner soll ein Anreiz für den Klimaschutz geschaffen werden. Diese Maßnahmen sind Teil eines überarbeiteten Klimaschutzgesetzes, das auch Sanktionen bei Nichteinhaltung definieren wird. Ein Klima-Bürgerinnen-Rat wird eingerichtet, um die praktischen Umsetzungsmaßnahmen zu begleiten und zu überprüfen.

Insgesamt wird deutlich, dass die Landtagswahl nicht nur ein politisches Ereignis ist, sondern auch eine Chance, den Kurs für den künftigen Umweltschutz in Baden-Württemberg zu bestimmen. Die Stimmen der Wählerinnen und Wähler sind gefragt, um die Weichen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Politik zu stellen. Weitere Informationen zur Umfrage finden Sie in einem Artikel des Filstalexpress, während die detaillierten Parteienpositionen auf der Webseite des NABU zu finden sind. Informationen zur KlimalisteBW gibt es auf ihrer Webseite.