In einem aktuellen Vorstoß hat der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Henrik Streeck, ein Verbot süßer Aromen in E-Zigaretten gefordert. Diese Produkte mit Geschmacksrichtungen, die an Bonbons oder Snacks erinnern, seien nicht mit den Zielen des Gesundheits- und Jugendschutzes vereinbar. Bereits im Januar hatte Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) ein solches Verbot angekündigt. Streeck bezieht sich auf die Vermarktung nikotinhaltiger Produkte mit bunten Designs und süßen Aromen, die er als „Anfix-Strategie“ bezeichnet. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden junge Menschen gezielt mit diesen Geschmacksrichtungen ködert, was die Sorgen um den Konsum von E-Zigaretten unter Jugendlichen verstärkt.
Das geplante Verbot umfasst 13 Aroma- und Kühlstoffe, darunter auch Menthol, der seit 2020 EU-weit in herkömmlichen Zigaretten verboten ist. Der Hintergrund dieser Maßnahmen beruht auf wissenschaftlichen Stellungnahmen des Bundesinstituts für Risikobewertung, das von der Verwendung dieser Inhaltsstoffe in E-Liquids abgeraten hat. Streeck selbst warnt vor den gesundheitlichen Risiken und fordert eine konsequente Regulierung.
Diskussion um die Datenlage
Kritik kommt von Frankfurter Suchtforscher Heino Ströver, der die Datenlage als dünn bezeichnet und umfassende Verbote für nicht gerechtfertigt hält. Er argumentiert, dass E-Zigaretten weniger Schadstoffe enthalten als herkömmliche Zigaretten und potenziell einen Übergang zu weniger schädlichen Alternativen für langjährige Raucher darstellen können. Tatsächlich enthalten E-Zigaretten bis zu 95 Prozent weniger Schadstoffe. Ströver hebt hervor, dass nicht Nikotin, sondern Teer und andere Verbrennungsrückstände die Hauptursache für gesundheitliche Schäden sind.
Die Diskussion um die Regulierung von E-Zigaretten ist in vollem Gange. Oliver Pohland, Geschäftsführer des Verbands des eZigarettenhandels, sieht in den Plänen ein Komplettverbot der Produktkategorie E-Zigarette durch die Hintertür. In Deutschland beträgt der Umsatz mit legalen E-Zigaretten rund 3,5 Milliarden Euro jährlich, wobei knapp zwei Milliarden Euro auf den Fach- und Großhandel entfallen und über 400 Millionen Euro an Tabaksteuereinnahmen generiert werden. Das zeigt, wie lukrativ der Markt ist, aber auch, wie wichtig der Schutz von Jugendlichen und Kindern ist.
Der internationale Kontext
Die internationale Dimension dieser Diskussion wird durch die Tatsache unterstrichen, dass weltweit über 100 Millionen Menschen E-Zigaretten konsumieren, darunter etwa 15 Millionen Kinder und Jugendliche. Streeck bezeichnet die Zahlen als alarmierend und fordert mehr Aufklärung über die Gefahren von Vapes. Während der Tabakkonsum insgesamt weltweit rückläufig ist, bleibt dieser Trend in Europa schwach ausgeprägt. In China, dem größten Produzenten von E-Vapes, wurde der Verkauf dieser Produkte verboten, was die unterschiedlichen Ansätze zur Regulierung von E-Zigaretten verdeutlicht.
In Deutschland wird der Umgang mit E-Zigaretten und deren Regulierung weiterhin intensiv diskutiert. Die verschiedenen Meinungen und Argumente zeigen, dass ein ausgewogenes Vorgehen erforderlich ist, um den Gesundheits- und Jugendschutz zu gewährleisten und gleichzeitig den Bedürfnissen von erwachsenen Rauchern gerecht zu werden. Es bleibt abzuwarten, wie die politischen Entscheidungen in dieser Thematik ausgehen werden.