In der Welt des Films gibt es immer wieder Werke, die uns nicht nur unterhalten, sondern auch einen tiefen Einblick in historische und gesellschaftliche Kontexte bieten. Ein solches Beispiel ist der Debütfilm von Regisseur Hasan Hadi, „Ein Kuchen für den Präsidenten“. Die Handlung des Films basiert auf der Kindheit des Regisseurs im Südirak, einer Zeit, die von großen Entbehrungen und politischen Unruhen geprägt war. Der Film spielt in den 90er-Jahren während der Diktatur von Saddam Hussein und thematisiert auf eindrucksvolle Weise die kindliche Unschuld in einem unterdrückten Land.
Die Protagonistin, die 9-jährige Lamia, gespielt von Baneen Ahmed Nayyef, hat eine besondere Mission: Sie muss einen Kuchen für die landesweiten Feierlichkeiten zum Geburtstag von Saddam Hussein backen. In einer Zeit, in der Lebensmittel im Irak knapp sind, insbesondere Eier, Zucker und Mehl, wird ihre Aufgabe zu einer echten Herausforderung. Lamia hat nur zwei Tage Zeit, um die notwendigen Zutaten zu besorgen. Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Klassenkameraden Saeed und ihrem Hahn Hindi. Die abenteuerliche Suche nach den Zutaten findet in einer unsicheren und entbehrungsreichen Umgebung statt, was den Film zu einer bewegenden Erzählung über Freundschaft, Hoffnung und die kleinen Siege der Menschlichkeit macht.
Saddam Husseins Herrschaft und der Irakkrieg
Um das historische Hintergrundwissen zu vertiefen, ist es wichtig, die Rolle Saddam Husseins in der irakischen Geschichte zu betrachten. Saddam Hussein wurde am 28. April 1937 in al-Audscha bei Tikrit geboren und war von 1979 bis 2003 Staatspräsident des Irak. Er trat 1957 der Baath-Partei bei und war an einem gescheiterten Attentat auf den damaligen Premierminister Abd al-Karim Qasim beteiligt. Nach dem Putsch der Baath-Partei 1963 kehrte er in den Irak zurück und stieg schnell in der politischen Hierarchie auf. Saddam führte den Irak-Iran-Krieg, der fast acht Jahre dauerte und viele Opfer forderte, und war verantwortlich für zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter der Einsatz von Giftgas gegen Kurden.
Die politische Situation spitzte sich weiter zu, als Saddam 1990 Kuwait besetzte, was zum Zweiten Golfkrieg führte. Schließlich begann im Jahr 2003 der Irakkrieg, bei dem die USA unter dem Deckmantel der „Operation Iraqi Freedom“ den Sturz von Saddam Hussein zum Ziel hatten. Am 13. Dezember 2003 wurde er von US-Truppen gefangen genommen und später zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung fand am 30. Dezember 2006 statt, und er wurde in al-Kazimiyya bei Bagdad hingerichtet. Sein Grabmal wurde 2015 während Kämpfen zwischen dem IS und irakischen Streitkräften zerstört, was ein weiteres Kapitel in der tumultuösen Geschichte des Irak darstellt.
Einblick in das Leben während der Diktatur
Ein interessanter Aspekt des Films „Ein Kuchen für den Präsidenten“ ist, dass er nicht nur die Herausforderungen und die Unsicherheit der damaligen Zeit widerspiegelt, sondern auch die kindliche Unschuld und den unerschütterlichen Glauben an Freundschaft und Hoffnung. Dies wird besonders deutlich, wenn man die Erlebnisse von Lamia und ihren Freunden betrachtet. Sie navigieren durch eine Welt voller Mangel, aber auch voller kleiner Freuden und menschlicher Verbindung. Die Erzählung erinnert uns daran, dass selbst in den dunkelsten Zeiten die Menschlichkeit über die Unterdrückung triumphieren kann.
Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass die Geburt von drei Personen am 20. März 2003 in Bagdad, am Tag der US-Invasion, von gemischten Gefühlen begleitet war. Ihre Mütter waren unsicher, ob sie sich über die Geburt freuen oder fürchten sollten, was die Ambivalenz und die Unsicherheit dieser turbulenten Zeit verdeutlicht. Diese Geschichten und Erlebnisse sind entscheidend, um die komplexen menschlichen Emotionen und die Realität während der Herrschaft von Saddam Hussein zu verstehen und zu verarbeiten. Der Film von Hasan Hadi bietet einen wertvollen Beitrag zu dieser Diskussion und lässt uns die Geschichte aus einer neuen Perspektive betrachten.