Die Berliner Traditionsbäckerei Plentz stoppt die Produktion ihres beliebten Kirschkuchens. Nach über 150 Jahren sieht sich das Unternehmen gezwungen, diesen klassisch deutschen Lieblingskuchen aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Sortiment zu streichen. Der Preis für 4.000 Kilogramm frische Kirschen hat sich in den letzten Jahren drastisch erhöht; von 8.000 Euro auf satte 32.000 Euro. Dies führt dazu, dass ein Stück Kirschstreusel künftig über 4 Euro kosten müsste, was für die Bäckerei nicht tragbar ist, berichtet die HNA.

Die Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen, sondern ist das Ergebnis einer Reihe enttäuschender Ernten. Bereits 2024 berichteten die Obstbauern aus Brandenburg von der schwächsten Kirschernte seit drei Jahrzehnten. Damals fiel die Ernte mit nur 164 Tonnen extrem niedrig aus, da verheerende Spätfröste im April 2024 die Blütenstände der Bäume zerstörten. Über zwei Drittel der Obstbauern verzeichneten Totalverluste. Auch in 2025 blieb die Ernte mit 541 Tonnen zwar höher, doch weit unter den Möglichkeiten, was die Bäckerei in eine dramatische Lage bringt. Bäckermeister Schöppner kritisiert auch die Zwischenhändler, welche bewusst eine Verknappung und Preissteigerung der Kirschen herbeiführen.

Ernten in Deutschland im Vergleich

Tagesschau wird eine Erntemenge von voraussichtlich 49.900 Tonnen für Süß- und Sauerkirschen prognostiziert. Dies stellt einen Anstieg von über 41 Prozent im Vergleich zum ernteschwachen Vorjahr dar und liegt sogar 10,4 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt.

Baden-Württemberg, mit einer voraussichtlichen Ernte von 18.900 Tonnen, bleibt die wichtigste Anbauregion für Süßkirschen, gefolgt von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Die gute Ernte soll vor allem auf die milden Witterungsbedingungen im Frühjahr zurückzuführen sein, die sich von Ende März bis Mai bemerkbar machten. Diese Umstände trugen dazu bei, dass es in dieser Zeit weder zu starken Niederschlägen noch zu Spätfrösten kam. Im Hinblick auf die Sauerkirschen wird jedoch eine Erntemenge von 11.700 Tonnen geschätzt, die trotz eines Anstiegs von 56,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr unter dem Zehnjahresdurchschnitt bleibt.

Veränderung auf dem Marktplatz

Die Bäckerei Plentz reagiert auf die Situation, indem sie die Kirschprodukte ersetzt. Sie setzt auf lokale Fruchtvariationen wie Apfel-, Zwetschgen- und Mohnprodukte um die Nähe zur Kundschaft zu wahren und Ihnen Alternativen zu bieten. Verbraucher müssen sich wohl oder übel auf Eigenproduktionen von Kirschen verlassen, um in den Genuss des klassischen Kirschstreusels zu kommen – eine Entwicklung, die nicht nur die Bäckerei Plentz, sondern den gesamten Obstmarkt betreffen könnte.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Marktlage entwickeln wird. Während einige Regionen von einer guten Ernte profitieren, bleibt zu beobachten, ob die Bäckereien und Verbraucher die Preissteigerungen auf Dauer tragen können.