Am 4. November 2025 wurde auf dem Friedhof in Hattenhofen (Ostallgäu) eine Gedenkplakette für die 1940 Opfer der NS-Euthanasie gewordene Anna Geiss enthüllt. Diese bewegende Zeremonie zog zahlreiche Besucher an, darunter auch viele Familienmitglieder, die aus Kornwestheim, Bremen und Hamburg angereist waren. Auch Schüler und Lehrer der Theodor-Heuss-Realschule aus Kornwestheim waren anwesend, um an dieser wichtigen Gedenkfeier teilzunehmen.

Elmar Maurus, der Neffe von Anna Geiss, hatte die Initiative für die Gedenkplakette ergriffen. Vor zehn Jahren begann er mit seinen Recherchen über die Geschichte seiner Tante, die im Dezember 1894 als Bauerntochter geboren wurde und ihre Jugend in Hattenhofen verbrachte. Ein schwerer Unfall im elterlichen Betrieb führte zu einer Kopfverletzung, die schließlich als „Geisteskrankheit“ diagnostiziert wurde. Anna Geiss wurde daraufhin in die „Kreis-Heil- & Pflegeanstalten bei Kaufbeuren“ eingewiesen, bevor sie am 9. Dezember 1940 in die „Gasmordanstalt“ Grafeneck deportiert und ermordet wurde.

Die Hintergründe der NS-Euthanasie

Die Taten gegen Anna Geiss sind Teil der grausamen „Aktion T4“, die in der Tiergartenstraße 4 in Berlin organisiert wurde und zwischen 1940 und 1941 über 70.000 Menschen aus Heil- und Pflegeanstalten das Leben kostete. Insgesamt wurden bis Kriegsende etwa 300.000 Menschen getötet, oftmals durch grausame Methoden wie Gas, Medikamente, Nahrungsentzug und Injektionen. Über die genauen Abläufe und die Bedeutung dieser Verbrechen wird regelmäßig in verschiedenen Gedenkinitiativen informiert, wie auf der Website von euthanasie-gedenken.de ausführlich dargelegt.

Die bisherige Aufarbeitung der „Euthanasie“-Verbrechen zeigt eine direkte Verbindung zum Holocaust. Gedenkorte wurden in den letzten Jahrzehnten geschaffen, um der Opfer zu gedenken und die Erinnerung wachzuhalten. Der Berliner Senat beschloss in den 1980er Jahren, ein Kulturforum an der Stelle der ehemaligen Villa zu errichten, die damals weitgehend zerstört wurde. 1989 wurde eine Gedenktafel eingeweiht, und 2014 entstand ein zentraler Gedenk- und Informationsort für die Opfer der „Euthanasie“-Morde.

Elmar Maurus‘ Recherchen wurden durch Besuche in der T4-Gedenkstätte Grafeneck, im Bundesarchiv Berlin und in der Ausstellung „Anstalt Irsee“ des Schwäbischen Bildungszentrums angereichert. Der Kulminationspunkt seiner Arbeit war der 2017 mit dem Deutschen Generationenfilmpreis ausgezeichnete 15-minütige Videofilm „Tante Anna und ein Schloss“, der die Geschichte von Anna Geiss beleuchtet und einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur darstellt. Die Gedenkplakette wurde in Anwesenheit von Diakon Andreas Fischer in Sichtweite des Familiengrabs gesegnet und stellt ein Zeichen für die Mahnung und Erinnerung dar.