Die Problematik des Mistelbefalls an Streuobstbäumen hat in den letzten Jahren zugenommen, insbesondere im Südwesten Deutschlands. Die Laubholzmistel (Viscum album) breitet sich immer schneller aus und stellt eine ernsthafte Bedrohung für viele Obstbäume dar. Die Zukunftswerkstatt Umwelt und Landwirtschaft unterbreitet nun ein Angebot zur kostenlosen Entfernung von Misteln an befallenen Streuobstbäumen, um die Vitalität der Bäume zu erhalten. Meldungen über befallene Bäume sind willkommen, selbst wenn es sich nicht um die eigenen handelt. Für die Meldung werden Informationen wie die Lage der Bäume, die Flurstücksnummer sowie der Name des Pächters oder Eigentümers benötigt. Interessierte können kontakt via E-Mail an zwul@ebensperger.de oder telefonisch unter 4402 aufnehmen.
Bereits nach dem ersten Aufruf konnte eine Mistel an einer Linde am Sportplatz Roßwälden erfolgreich entfernt werden. Vor der Entfernung fanden gezielte Schnittmaßnahmen statt, wobei die Mistel nicht einfach herausgeschnitten wurde, sondern frühzeitig und systematisch eingegangen wurde. Die Misteln werden unterhalb der Befallsstelle großzügig abgeschnitten, was eine rechtzeitige Intervention häufig ermöglicht.
Zunehmender Befall und seine Ursachen
Der NABU-Experte Stefan Bosch warnt vor der rapide wachsenden Ausbreitung der Mistel, die durch ungenügende Baumpflege und die Herausforderungen des Klimawandels begünstigt wird. Die Trockenheit und Hitze der letzten Jahre haben viele Bäume geschwächt, was den Misteln zugutekommt. In manchen Regionen sind kaum noch Bäume ohne Mistelbefall zu finden, selbst die als resistent geltenden Birnbäume sind nicht verschont geblieben. Besonders betroffen sind Apfelbäume, Ebereschen, Pappeln, Weiden, Weißdorn und Birken, die von über 20 Vogelarten als verbreitende Faktoren für die Mistelsamen unterstützt werden.
Der NABU rät zu einer aktiven Bekämpfung: Misteln sollten auf dem eigenen Grundstück regelmäßig entfernt werden, um das Absterben der Bäume zu verhindern. Bei starkem Befall ist es notwendig, betroffene Äste komplett zu entfernen oder bis zu 50 cm ins gesunde Holz zurückzuschneiden. Alle zwei bis drei Jahre sollten systematische Schnittmaßnahmen zur Bekämpfung der Misteln erfolgen, um deren Vermehrung zu stoppen.
Erfolgreiche Strategien und Projekte
Um dem Problem des Mistelbefalls in Streuobstwiesen entgegenzuwirken, wurde 2023 ein Projekt in der Gemeinde Ölbronn-Dürrn im Enzkreis ins Leben gerufen. Dieses Projekt zielt darauf ab, den Mistelbefall flächendeckend und nachhaltig einzudämmen, wobei der Artenschutz stets berücksichtigt wird. Die Finanzierung erfolgt durch den Landkreis und das Land Baden-Württemberg, welche Anreize für Eigentümer zur Mistelentnahme sowie die kostenlose Beseitigung von Pflegeteams bieten.
Im Rahmen einer Kartierung wurden bis November 2023 insgesamt 5.421 Streuobstbäume erfasst, darunter etwa 3.500 Apfelbäume, von denen 576 mit Mistelbefall betroffen waren. Diese aktiven Maßnahmen führten zu einer Rücklaufquote von 90% unter den Eigentümern, wobei 80% eine professionelle Unterstützung bei der Bekämpfung der Misteln wünschten. Bisher wurden über 250 Apfelbäume beschnitten und vier Bäume gerodet.
Die Zukunftswerkstatt lädt Interessierte zur Mitarbeit ein; die nächste Versammlung findet am Faschingsdienstag, dem 17. Februar, ab 20 Uhr in der Ludwigstraße 4 statt. Gemeinsam soll auf innovative Lösungen gesetzt werden, um der Verbreitung der Misteln wirksam entgegenzuwirken und die traditionellen Streuobstbestände zu bewahren.